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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 467

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 467 (sequence 5)
Language
German
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Schuld and Sühne. 467 Kräfte, die außerhalb des Menschen liegen, so oft zu Stande kommt, haben den bösen Trieb mit dem Satan identifiziert. Und weil der Tod der Sünde Sold ist, darum erscheint der böse Trieb im Talmud auch oft als der Todesengel. Charakter und Betätigung des bösen Triebs hat uns nach der Meinung der Weisen die Schrift durch die Namen geschildert die sie ihm beilegt. Sie nennt ihn den Bösen, Unbeschnittenen, Unreinen, sie bezeichnet ihn als Feind, als Anstoß, er ist der Stein im Herzen, der dort verborgene3). Schon diese Be- Zeichnungen lehren, daß, so vielfach auch der böse Trieb als Ankläger und Zeuge gegen den Menschen oder als Voll- Strecker des Todesurteils geschildert wird, seine eigentliehe Rolle immer die des Verführers ist. Er versteht es, sich einzuschmeicheln: Erst erscheint er als bescheidener Wanderer, dann wird er zum willkommenen Gast und zuletzt spielt er sich als Herren auf4). Zuerst ist er schwach wie ein Weib, dann stark wie ein Mann, zuerst sieht er dünn aus wie ein Spinngewebe, dann dick wie ein Wagenseil5). Er geht mit berechnender Schlauheit vor, wie die Hunde in Rom zu täuschen verstehen: Da liegt so einer;vor der Tür des Bäckers und stellt sich schlafend. Sieht er den Bäcker einnicken, dann springt er auf, reißt einen Laib Brot weg, und, während die Leute zusammenlaufen, hat er ihn in Sicherheit gebracht6). Auf jedem Gebiet ist der böse Trieb wirksam. Am stärksten auf dem der Unsittlichkeit. Bis zur Zeit der Männer der großen Versammlung war auch die Hinneigung zu fremden Göttern seine Domäne 7). Er richtet seine Angriffe gegen die Verbindlichkeit vor allem der Satzungen, für die ein zureichender Grund nicht ersichtlich ist, wie die Speisegesetze und andere als הקים bezeichnete Vorschriften; die nichtjüdischen Gesetze, so spricht er verführerisch, sind schöner als die jüdischen8). *) Sukka 52 a. ״) aen. E. 22,6. 7) Joma 69 b 4) Sukka 52 b. 6) ebds. 8) Sifra zu Lev. 18,4.

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