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Jeschurun · 1916-09-01 · Heft 9 (September 1916) · p. Seite 466

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 9 (September 1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 466 (sequence 4)
Language
German
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466 Schuld und Sühne. Da aber jedes Gebot und Verbot, welches auch immer sein Inhalt sei, das Abhängigsfceitsverhältnis des Menschen von Gott konstituiert, so enthält jede Unterlassung oder Übertretung theoretisch eine Leugnung Gottes. Die Seele lebt und webt nur durch Gott ■und in Gott. Hat sie sich in der Schuld losgelöst von Gott, so ist sie tot und es haften ihr nach der Anschauung unserer Weisen alle Zeichen des Todes an. Sie ist besudelt und beschmutzt, in Fäulnis übergegangen und verbreitet einen üblen Geruch12). Der durchaus Böse wird ein Toter genannt. Die unbeabsichtigte Sünde kann freilich nicht als Abfall von Gott betrachtet werden. Aber sie ist immerhin ein Zeichen der Sorglosigkeit, sie öffnet eine Pforte zur absichtlichen Sünde und damit zur Schuld14). * sfc נ$; Als die Quelle der Empörung gegen Gott wird יצר הרע der böse Trieb angesehen. Die leisen Andeutungen der Bibel (Gen. 6, 5, Dt. 31, 21, Ps. 103, 14, I. Chr. 28, 9) werden aber mannigfach gedeutet. Die psychologische Einsicht in! den Widerstreit der Motive, der sich im menschlichen Herzen abspielt, führt zur Annahme von zwei Trieben, dem guten und bösen Trieb * 1). Für den Trieb wird auch der Sitz des Triebes gebraucht, das Herz, und dementsprechend von zwei Herzen gesprochen, dem reinen und unreinen Herz. Ja, es1 scheint oft, als ob das Herz völlig mit dem bösen Trieb identificiert werde. Auge und Herz sind Makler der Sünde“2). Doch ist, wie schon die Zusammenstellung mit dem Auge lehrt, das Herz nicht identisch mit dem bösen Trieb. Das Herz an sich ist nicht verderbt, nicht mehr als ein anderes Organ. Es hängt davon ab, wer darin herrscht. Agadisches Streben zur Personifizierung, biblische Reminiszenzen und das Bewußtsein, daß die Verführung durch 13) Vergleiche die Angaben bei Schechter a. a. 0. S. 233 f. 14) Tanchnma ed. Buber S. 6. 13 Berachoth 9,5. 2) Jemsch. Berachoth I 8.

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