Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 464 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2292929-2292955-2292965--01600-2294858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
464 Schuld und Sühne. heutige Zeit sofern sie überhaupt religiösen Empfindungen noch zugänglich ist, nichts besseres darüber zu sagen hat. I. Da Gott als König und Vater der Menschen vorgestellt wird, da ihr Leben von ihm stammt und in jedem Atemzug von ihm ständig erhalten wird, da er den Menschen seinen Willen verkündet hat, und sie in jedem Gedanken, den sie hegen, in jeder Handlung, die sie üben, Gelegenheit finden, Gottes Willen zu folgen oder ihm zu widerstreben, so ist jede Schuld nichts anderes als eine' Empörung gegen Gott den König (פשע), eine Kränkung des Vaters (מומר להפעים), ein Abwerfen des Joches (פורק עול), ein Streben, die Herrlichkeit Gottes zu verbannen (פליק שכינה). Es gibt bekanntlich zahllose Aussprüche über den Charakter der Sünden. Aber bewußt oder unbewußt gehen sie darauf aus, die mannigfachsten Sünden auf eine Art Götzendienst zurückzuführen. Das große Gebiet der sexuellen Vergehen verhüllt sich fast immer dem menschlichen Auge. Aber der Ehebrecher erklärt durch seine Tat: Auch Gottes Augen können ihn nicht sehen2). Jede unzüchtige Handlung, auch nur jeder unzüchtige Gedanke fällt aber wieder unter die Sünde des Ehebruchs 3). Der Mord involviert eine Leugnung Gottes ״Wer einen Mord begeht gleicht dem, der das Bild des Königs zerstört, denn in Seinem Ebenbilde hat Gott den Menschen geschaffen 4). Und der Talmud führt aus, ,daß viele Vergehen auch gegen den Besitz und die Ehre des Mitmensehen dem Blutvergießen nahekommen: Wenn einer sich auch nur den kleinsten Betrag von seinem Nächsten unrechtmäßig aneignet, so ist’s als ob er ihm sein Leben genommen 5) und rebellion, the source of rebellion, victory over evil yezer, forgiveness and reconciliation, repentance: means of reconciliation gefolgt. Doch glaubten wir in der Gruppierung der einzelnen Gedanken verschiedentlieb andere Wege geben zu müssen. י) Num. R. 9, 1 (den Midrascb Rabba citieren wir nach der Wilnaer Ausgabe nach Kapiteln und Paragraphen). s) Lev. R. 33,10 Berachoth 12 b. 4) Exodus R. 30,16. 5) Baba Kama 119 a.