Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 9 (September 1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 463 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3. Jahrgang September 1916 Eilul 5676 Heft 9. Schuld und Sühne. (nach Talmud und Midrasch). Es gibt wohl kaum für eine Religion Charakteristischeres als die Anschauungen, die sie über Schuld und Sühne, geprägt. Der unangefochtene Besitz des überlieferten religiösen Gutes gibt vielleicht Anlaß zu gedanklicher Durchdringung mancher Glaubenssätze, zur deutlicheren Herausstellung dei Probleme, zu großangelegten Lösungsversuchen in der Hebung der mannigfachen Schwierigkeiten. Das Innerste des Menschen wird, aber nur aufgerührt, wenn er seinen Besitz verloren. Durch die Schuld kommt erst der Bruch in das unbefangene religiöse Bewußtsein. Und aus den Seelenkämpfen, die diesen Bruch begleiten und den Versuchen, den Bruch zu heilen und die Harmonie wiederherzustellen, aus der Vorstellung, was dieser Bruch bedeutet und der Auffassung über die Mittel und Wege, wieder zum inneren religiösen Frieden zu gelangen, aus all dem erkennt man mehr als aus allen möglichen theoretischen Sätzen, wie die Religion den Gottesbegriff und das Wesen des Menschen faßt, wie nach ihr Gott zum Menschen steht, der Mensch zu Gott sich verhalten soll. Was Talmud und Midrasch in Deutung und Erweiterung biblischer Sätze dem Juden darüber sagen, wollen wir im folgenden hören1). Wir werden sehen, daß auch die *) Man vergleiche die sehr wertvolle Darstellung von S. Schechter Some Aspects of Rabbinic Theology S. 219—343. Wir verdanken ihr eine Reihe von Quellenangaben und sind ihr in der Eapiteleinteilang Sin as