Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 8 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 459 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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a Proselyten einst und jetzt. 45 9 Judentum nicht auf. weil sie schon vor dem ersten Schritt, der ihnen ein Opfer zumutet, zurückschrecken. Wenn Frauen sich für einen Übertritt gewinnen lassen, so ist der einzige Grund darin zu suchen, daß ein solches Opfer bei ihnen die Vorbedingung für den Übertritt nicht bildet. Nun aber, frage ich, ist dem Judentume irgendwie damit gedient, wenn es Personen oder deren Nachkommenschaft an sich kettet, die keinerlei Interesse daran bindet? Ob kurz oder lang, der Abfall tritt ja doch ein oder zieht noch weitere Kreise um sich. Nun beruft man sich darauf, man müsse doch ein menschliches Einsehen haben mit der Notlage von Männern, die gar schwer an den Folgen einer Stunde des Leichtsinns zu tragen hätten oder nunmehr vor dem dringenden Wunsche sich bewogen sehen, die religiöse Harmonie in ihrem Hauswesen wieder hergestellt zu sehen. Ich muß demgegenüber sagen, daß wir vom Standpunkte der Religion sehr wenig Verständnis für die Lage derjenigen jüdischen Männer haben, die eine Art verkörperte Berechnung in ihrem sonstigen Tun und Lassen bedeuten und leichtfertig genug sind, einer Stunde des Leichtsinns das Glück, das Gedeihen, die Ruhe des Gewissens nicht bloß der eigenen Person, ihres Hauses, sondern auch der Nachkommenschaft und Angehörigen zu opfern. So beklagenswert deren Lage auch sein mag, wir stehen nun einmal auf dem Standpunkte לא *בבדיין לדכויעי תכןנתא. Endlieh wären im Endeffekt alle derartigen Bestrebungen im vorhinein ergebnislos, da nun einmal die unzweideutigen Bestimmungen der Halacha dahin gehen, daß die auch in Mischehe von einer nichtjüdischen Mutter Geborenen keine Juden sind. Es steht nicht in der Macht eines Rabbiners oder einer Vereinigung von solchen, eine unzweideutige Bestimmung des Reiigionsgesetzes aus was für Erwägungen immer einfach außer Kraft zu setzen. Anders lägen die Dinge allerdings in dem Falle, in welchem eine jüdische Mutter in Mischehe lebt. Die Kinder aus einer solchen Ehe sind von Hause aus Juden. Daß aber der jüdische Charakter sich Geltung verschaffe, liegt, von andern Gründen ganz abgesehen, an Umständen, deren bereits früher gedacht worden ist. Endlich aber läge in einem derartigen Vorgänge ein Bruch, ja ein Verdikt gegenüber der ganzen jüdischen Vergangenheit. Es soll hier nicht darauf eingegangen werden, darzulegen, ,welch eine Rolle diese Frage in den ältesten Zeiten gespielt hat, auch nicht das soll hier nachgewiesen werden, wie ein Nachgeben in diesem Punkte zur Zeit der letzten staatlichen Katastrophe, das Juden• tum leicht auf den Thron erhoben und ihm zur Wiedererlangung der poli tischen Macht hätte verhelfen können. Allein, eines darf doch nicht außer Betracht bleiben. So oft auch die Männer den ernstlichen Versuch einer Wiedervereinigung mit dem überlieferten Judentume machten, immer wieder scheiterten dieselben, weil man auf unserer Seite die be-