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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 456

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 456 (sequence 46)
Language
German
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456 Schulfragen im Ostjudentum. der deutschen ausgerüstete Orthodoxie bei uns heranzubilden? erwiderte er verwundert: Erstens haben wir keine Rabbiner vom Schlage Hirschs. Und zweitens: Wollen Sie ernstlich den ״Schaagas־Arje:< durch den ״Horeb“ ersetzen? — Solange wir eine thorabeflissene Jugend in unseren Jeschiwot haben, haben wir keinen Grund, auf unsere Thora zu gunsten eines Quäntchens ״moderner Bildung״ zu verzichten. ״Befragen Sie doch einmal den berühmten Verfasser des ״Chofez-Chajim“, Rabbi Israel Meir aus Radin, über seine Ansicht von der Notwendigkeit des weltlichen Wissens! Er wird Ihnen einfach erwidern: ״Schön! Und was soll bezüglich der Notwendigkeit des Thorawissens geschehen? Und die Sünde der Thoravernachlässigung (Bitul-Thauro)?“ Ich muss noch folgende anekdotenhaft klingende Bemerkung hierhersetzen. Ich sprach einst mit einem berühmten russischen Rabbiner, dessen Thoragelehrsamkeit von seiner Frömmigkeit noch überstrahlt wird, von einem bekannten Rabbiner, der sich zugleich als ausgezeichneter hebräischer Schriftsteller betätigt. ״Was denkt Euer Thorawürden über die Persönlichkeit dieses Rabbiners? Sind seine Kenntnisse und sein literarisches Talent nicht von höchstem Nutzen für die Sache unserer Thora und unseres Glaubens?“ ״Jawohl. Allein, wenn er einst am Tage des Gerichts gefragt wird, weshalb hast Du das Thorastudium vernachlässigt, was wird er darauf erwidern? — Russisch kann wohl an Orten betrieben werden, wo die Beschäftigung mit der Thora nicht statthaft ist, aber die heilige Sprache? —“ ״Weshalb durfte der Rambam? —a Yerschmelzung von Thora und Haskala weit von sich wies. Bei meiner Anwesenheit in Grodno sagte mir der erwähnte Dr. Einhorn einmal: ״Fliehe die Haskala! Auch ich bereue es, daß ich meine Zeit für fremde Studien vergeudet habe.“ Auch Rabbi Israel Salanters Schüler, Rabbi Simcha Sissel, machte den Versuch der Verbindung von Thora und Weltbildung in der von ihm zu diesem Zwecke ins Leben gerufenen Lehranstalt. Die Schule hatte infolge finanzieller Schwierigkeiten keinen langen Bestand. Auch blieben nicht alle Zöglinge dem überlieferten Judentum treu.

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