Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 453

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 453 (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292955-2292964--01588-2294845
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Schulfragen im Ostjndentum. 453 liehe Bildung vermittelten auch sie nicht, da das oben erwähnte amtliche Verbot des profanen Unterrichts innerhalb der jüdischen Schulen auch für sie galt, dem hebräischen Wissen aber, das sie vermittelten, mußte das gesetzestreue Judentum diese Qualifikation versagen. Die einzigen, die noch an diesen Schulen festhalten, sind die Zionisten, denen das Studium von Sprache und Schrifttum mit der ״Lehre des Judentums“ schlechthin identisch zu sein scheint. Die überwiegende Mehrheit des Volkes bringt diesen neuen Chedorim gar kein Interesse entgegen, und zwar aus doppeltem Grunde: weil diese Schulen der pädagogischen Ueberlieferung zuwiderlaufen und hauptsächlich aus Motiven religiöser Natur. Der alte Cheder bot dem Juden keine brauchbare Waffe im Lebenskampf, allein es verlieh ihm in hohem Maße die Fähigkeit, die Schwere und Unbill des Kampfes zu ertragen. Nicht die ״Ueppigkeiten der Erde“ gewährte sie, allein sie träufelte Himmelstau über sein trostloses Dasein, der ihm immer von neuem Kraft und Ausdauer verlieh. Was aber bot ihm das neue Erziehungsideal? Weder dies noch jenes, sondern vielmehr die Aussicht auf eine aller Wurzelhaftigkeit bare geistige Existenz, auf ein unheilbares Vegetieren in seelischem Zwielicht. In der letzten Zeit ist auch in den neuen Schulen eine gewisse Wendung zum Guten eingetreten. Man beginnt auf zionistischer Seite den hohen erzieherischen Wert der heiligen Unterrichtsfächerzu würdigen undgab öffentlich derUeberzeugung Ausdruck, daß der Unterricht des Tenachs in seiner Originalfassung auch vom nationalen Standpunkt geboten sei. Man legte auch das offene Bestreben an den Tag, wesentliche Konzessionen an den altjüdischen Geist zu machen und war nicht abgeneigt, Hand in Hand mit dem gesetzestreuen Judentum zu gehen. Allein diese Einigung wird kaum zustande kommen. Die Kabbinen treten ihrerseits mit aller Entschiedenheit jedenfüefomversuch entgegen. Was ist der Grund? Es ist dies keineswegs die Furcht der Einfalt vor dem Geist der Forschnung, des Glaubens vor der Vernunft, wie seinerzeit die Maskilim irrtümlich wähnten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.