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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 451

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 451 (sequence 41)
Language
German
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Schnlfragen im Ostjudentam. 4SI deren Ansichten in Bezug auf die Erziehungsfrage sich mit denen der Maskilim decken. Von diesen Maskilim wurden eine Reihe von Reformchedoren gegründet, die von vornherein als ein Gegensatz zur alten Chederschule gedacht waren, in der weiteren Entwicklung aber zu einer Kampfstätte wurden gegen das ganze überlieferte Erziehungswesen und die altjüdisehe Geistesart. Allerdings bietet der alte Cheder bei allen seinen Vorzügen dem pädagogischen Kritiker mannigfache Angriffspunkte bedenklicher Art. Die unhygienischen Zustände machen es zu einer Brutstätte mannigfacher Krankheiten. Der alte Melamed, obwohl er an sich, soweit er noch seine ursprüngliehen Charakterzüge bewahrt hat, unzweifelhaft einen überaus idealen und liebenswürdigen Typus eines echten Jehudi darstellt, gehört doch als Lehrer einer längst vergangenen Epoche an. Die Tugend, deren er sich einst in hohem Maße rühmen durfte, die des altjüdischen Idealismus, geht ihm heute in steigendem Maße ab. sodaß tatsächlich nur die für den jüdischen Melamed charakteristische Unordnung und Unbeholfenheit übrig bleibt. Auch die alte Lehrweise fordert in manchen Punkten zur Kritik heraus. Allein hätten sich die Maskilim sich tatsächlich auf die oben angedeuteten Einwände beschränkt und das berechtigte Bestreben an den Tag gelegt, die vorhandenen Mängel im Rahmen des Bestehenden zu beseitigen — ihr Erfolg wäre dann siche rnicht ausgeblieben und sie hätten sich ein großes Verdienst erworben. Doch ihr extremer Geist verleitete sie bald zu einem Kampf gegen das Alte, schlechthin gegen alles, was das Gepräge des Alters trug, und sei es auch das Allerheiligste. In ihren neuen Schulen nahm der Sprachunterricht den ersten Platz ein, während der eigentliche Bibelunterricht völlig in den Hintergrund trat. Und auch dieser Bibelunterricht erfolgte nicht in der Originalfassung, sondern auszugsweise an der Hand gekürzter Schulbibeln, in denen weite Kreise der Gesetzestreuen eine Entweihung der Heiligen Schrift erblickten. Vom Talmudunterricht sah man ganz ab und zwar teils aus Mangel an modernen Lehrkräften, teils aus prinzipieller Abneigung gegen dies Studium. Das A und 0 des neuen Programms bildete

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