Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 8 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 447 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Schulfragen im Ost Judentum. 447 städten Polens gibt. Sie nennen sich Polen mosaischer Konfession. Ueber die Assimilanten ist nicht viel zu sagen. Sie geben ihren Kindern gar keine jüdische Erziehung. Sie lassen sie nicht einmal hebräisch lesen und schreiben, so dass sie selbst ohne Kenntnis der Gebete aufwachsen. Das geringe Ausmaß von Religionsunterricht, den die Kinder von den Lehrern empfangen, ist völlig belanglos und dient nur zu einer unerschöpflichen Quelle für Witzeleien. Und doch sind auch diese Assimilanten nicht völlig vom Volkskörper losgelöst. Dafür sorgt die russische Staats Weisheit. Der Antisemitismus einerseits und die zionistische Be־ wegung andererseits haben in den letzten Jahren auf diese Kreise eine starke Wirkung ausgeübt und sie dem Volke und der Volksarbeit näher gebracht. Aber auf dem Gebiete der Jugenderziehung ist alles beim alten geblieben. Die Gesetzestreuen haben bis jetzt in praxi an der traditionellen Erziehung des Cheders der jüdischen Volksschule festgehalten. Hier wird hebräisch lesen und schreiben gelehrt, ferner Thenach, Raschi und die Anfangsgründe des Talmuds. Als eine Art Mittelschule kann der Talmud-Cheder gelten. Hier wird der Talmud mit seinen Kommentatoren gelehrt, während das Bibelstudium aber auf ein Mindestmaß reduziert ist. Die Hochschule wird durch die Jeschiwa repräsentiert. Hier findet nur der Aufnahme, der ohne Hilfe eines Lehrers ein ״Blatt Gemoro“ lernen kann. In der Jeschiwa bleibt der Bachur nach Belieben längere oder kürzere Zeit. Charakteristisch ist in dieser Beziehung der Grundsatz, daß die Dauer des Jeschiwa-Studiums ebenso unbestimmt ist wie die Grenzen des Torawissens. Die Methode, die in all diesen Schulen zur Anwendung gelangt, ist die gleiche: eine Methode, die in der Methodenlosigkeit besteht. Jeder Lehrer hat sein eigenes Programm und sein eigenes System, der Fortschritt im Studium hängt lediglich von seinen persönlichen Fähigkeiten und seiner pädagogischen Gewandheit ab. Wichtig ist hier, daß die Chedorim