Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 8 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 440 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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440 Die jüdisch־d8111 sche Sprache. Sentenzen aus der Haggadah zum Pentateuch und den fünf ®־ollen in jüdisch-deutscher Bearbeitung. Hätte das Jüdisch- Deutsche kein anderes Verdienst, als daß es das sprachliche Gewand für den Inhalt dieses Werkes ist, so müßten wir es um dieses einen Verdienstes willen segnen. Denn der Zenne Benne erfüllte ganze Generationen jüdischer Frauen und Mädchen in Deutschland und Osteuropa mit Stolz auf die jüdische Geschichte und mit Liebe zum heiligen. Thoragesetze und ist heute noch das Entzücken der ostjüdischen Frauenwelt. Auch eine Volksliteratur, die den gesamten Stoff kreis der deutsehen Sagen und Volksbücher umfaßt, hat injüdisch-deutscherSprache geblüht. Wir nennen hier nur das berühmte Maaßebuehvon einem unbekannten Verfasser (Basel 1602), das über 300 Geschichten aus Talmud und Midrasch, aber auch Anklänge an deutsche Märchen, an indische und arabische Fabeln enthält. Die Volkstümlichkeit des sogenannten Bovobuches, das Elia Levita (1507) aus dem Italienischen nach der Romanze2) des Ritters Buovo d7 Ancona bearbeitete, geht daraus hervor, daß eine phantastische Erzählung im Munde der Ostjuden noch heute ״Bovomaiße“ genannt wird. Die eigentliche Volkspoesie findet ihre Resonanz in den Volksliedern. Das jüdisch-deutsche Volkslied ist ein echtes Kind des Ghettos. Es fehlt das Lied der freien Natur. Die Sammlung von 376 jüdisch-deutschen Volksliedern (M. Ginsburg und P. S. Marek, Petersburg 1901) enthält Kinder-, Wiegen-, Hochzeits- und Liebeslieder und natürlich auch solche religiösen Charakters. Eine belletristische Literatur im modernen Sinne hat das 19. Jahrhundert den Ostjuden beschert. Viele Erzeugnisse dieser Literaturgattung, insbesondere die aus der Feder der Maskilim stammenden, müssen vom Standpunkte des gesetzestreuen Judentums entschieden abgelehnt werden. Aber es findet sich in dieser Literatur auch das Hohelied der veredelnden und verjüngenden Zauberkraft, die das Thoragesetz auf die jüdische *) Diese geht auf den berühmten englischen Poman Sir Bevis of Southampton zurück.