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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 438

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 438 (sequence 28)
Language
German
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438 Die jüdisch-deutsche Sprache. ״eine Grammatik des Jüdisch-Deutschen kann es nicht geben“, zeugt daher von erstaunlicher philologischer Unbildung. Die beste Widerlegung solcher unwissenschaftlichen Behauptungen bildet die Tatsache, daß im Jahre 1908 eine jüdisch-deutsche Grammatik von S. Reisin für den Schulgebrauch in Warschau (Verlag Progress) erschienen ist. Die Haupttendenz der jüdisch-deutschen Grammatik ist eine Vereinfachung der Deklination und Konjugation. Die Kasusendungen sind verschwunden; der Genetiv wird (wie im Französischen und Englischen durch die entsprechenden Präpositionen) durch Vorsetzung des Wörtchens ״vun“ gebildet. Kur bei Eigennamen und manchen Verwandtschaftsbezeichnungen hat sich das ״sw des Genetivs noch erhalten: z. B. Leiser?s, tatens, mames. Von den Zeiten des Verbums ist das Praeteritum völlig verschwunden. Der Konjunktiv ist bis auf wenige Reste getilgt. Das Futurum wird durch das Hilfszeitwort welen1) (vgl. das Englische) gebildet, das Konditionale mit Hülfe von wolt (engl, would). Sämtliche Präpositionen regieren den Dativ, wie das ja auch in Deutschland vielfach dialektisch der Fall ist. HI. Wir haben zu zeigen versucht, daß das Jüdisch-Deutsche ein den übrigen deutschen Dialekten ebenbürtiges Idiom ist, das wohl in mäßigen Grenzen fremden Einschlag aufweist, aber alle anderen deutschen Mundarten durch treue Bewahrung früheren deutschen Sprachgutes übertrifft. Wie erklärt sich aber die Abneigung, die man vielfach auch in jüdischen Kreisen Deutschlands gegen das Jüdisch-Deutsche hegt? Das mag wohl ein Erbe aus der Zeit der bürgerlichen Emanzipation sein. Aber, wenn Mendelssohn und seine Zeit den Gebrauch des ״Jargons“ durch deutsche Juden verpönten, so leitete sie neben l) Auch die zweite und dritte Person west, wet sind Verkürzungen von weist, weit.

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