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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 434

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 434 (sequence 24)
Language
German
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434 Die deutsch-jüdische Sprache. bedeutet, so kommt dieses Wort im letzteren Sinne schon im Altdeutschen vor. ״Trer״ für Träne stellt keine Verstümmelung dar, sondern ist die Bewahrung des mittelhochdeutschen trer, das sich neben tren, trän findet. Duchten dünken, mir dacht mich dünkt, ist seit dem 13. Jahrh. im Mhd. neben dünken nachzuweisen; ״torren“ (dürfen) entspricht dem mhd. turren. Aus dem Gebiete der kulinarischen Terminologie wäre hier bervorzuheben: lekach Lebkuchen, zimmes zuomuose (zumus) oder z’imbiss (zum imbiss), farfel farfeln (geriebener Teig, Nudeln). Alle diese Ausdrücke sind gut deutsche Wörter, und man könnte diese Liste noch erheblich vermehren. Mit welcher Liebe der Ostjude am ״Mameloschen״ hängt, beweist der Umstand, daß die Stätte, die ihm heilig und teuer ist, weil aus ihr die Wurzeln seines geistig-sittlichen Wesens ihre Nahrung ziehen, das Lehrhaus, die Synagoge, keinen he־ bräischen, sondern den deutschen Namen ״Schul״ trägt. Und die Tätigkeit, die das höchste Gottesgebot ist, das Forschen in der göttlichen Lehre, eine Beschäftigung, die heute noch das Leben eines sehr großen Teiles der Ostjudenheit ausfüllt und ihren Jüngern die einzige geistige und seelische Erquickung einer in Nacht materieller Gedrücktheit ist, heißt ״lernen״ schlechthin. Auch eine Durchsicht des Namensregisters der Ostjuden zeigt die tiefe Verehrung, die sie für deutsche Laute hegten und noch hegen. Denn inmitten eines polnischen oder russischen Milieus gaben und geben sie ihren Kindern, hauptsächlich ihren Töchtern, deutsche Namen. Es ist also nicht wie bei uns die Furcht, daß die Kinder durch einen jüdischen Namen in einer nichtjüdischen Umgebung unliebsam auffallen könnten die die deutsche Namengebung veranlaßt, sondern die Liebe zur deutschen Sprache, die diese mit einem Schimmer der Heiligkeit verklärt. Denn wenn nicht assimilatorische Motive eine Bolle spielen, so wählt man die Namen seiner Kinder aus einer Sprache, die einem lieb und heilig ist. Auch in diesem

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