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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 433

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 433 (sequence 23)
Language
German
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Die jüdisch-deutsche Sprache. 433 deren Spuren aus dem Neuhochdeutschen verschwunden sind, während die Sprache der Ostjuden sie aus dem Mittelalter als echtdeutsches Sprachgut treu bewahrt hat. Gerade diese Ausdrücke sind es, die oft den Gegenstand törichten Spottes bilden. Wenn der Ostjude leilach (Laken), fartuch (Schürze), gich (schnell), ette, täte (Vater) sagt, so hat er Klänge aus der Vergangenheit unserer Muttersprache in die Neuzeit hinübergerettet und sich als Schatzkämmerer vielhundertjährigen deutschen Erbes bewährt. Denn leilach ist eine mittelhochdeutsche Eorm für linlachen Leinlaken, Bettuch, fartuch entspricht dem mhd. vortuoch Vortuch, Schürze und gich ist dialektisch vom mhd. gäh, gehe (jach, jäh) abgelautet. Ette (atte) Vater ist ebenfalls mittelhochdeutschen Ursprungs und jedem oberflächlichen Kenner des Gotischen aus der Bibel- Übersetzung des Wulfilas geläufig. Auch der ״täte“ ist echtdeutscher Herkunft und heute noch in Deutschland vielfach mundartlich üblich. Der Gebrauch dieses Wortes durch die Ostjuden gibt um so weniger Grund, unseren Spott herauszufordern, als ja in der Erhaltung dieses Ausdruckes eine größere Ehrfurcht vor altem deutschen Spracherbe sich äußert als in der Anwendung von ״Vater“, das bekanntlich auf das Griechische und Lateinische zurückgeht. Ebenso zeigt sich das Jüdisch-Deutsche in der Bezeichnung der Verschwägerungs- Verwandtschaften als Konservator älteren deutschen Sprachgutes. In Schwäher (Schwiegervater, mhd. sweher), Schwiger (Schwiegermutter, mhd. swiger), Schnur (Schwiegertochter), Eidam (Schwiegersohn) lebt der einstige Reichtum der deutschen Verwandtschaffcsnamen noch fort, während das Neuhochdeutsche die individuellen Bezeichnungen aufgegeben und an ihre Stelle nach dem Muster romanischer Sprachen durch Vorsetzung des generellen ״Schwieger“ die Ausdrücke für Blutsverwandtschäften in solche für Verschwägerungen umwandelt. Auch in ״Vetter“ in der Bedeutung ״Onkel“ liegt echtdeutscher Gebrauch vor, während ״Onkel“ eine Entlehnung aus dem Französischen (lat. avunculus) darstellt. Wenn ״dienst“ nicht Diensthandlung, sondern Dienstbote im Jüdisch-Deutschen

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