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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 431

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 431 (sequence 21)
Language
German
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Die jüdisch-deutsche Sprache. 431 Aus welchen Mundarten ist nun das Jüdisch-Deutsche hervorgewachsen? Von den drei großen Gruppen der oberdeutschen, mitteldeutschen und niederdeutschen Mundarten scheinen die letzteren gar nicht vertreten zu sein. Von den oberdeutschen Dialekten sind der bayerische und alemannische, von den mitteldeutschen Mundarten die östlichen, also der obersächsischthüringische und der verwandte schlesische Dialekt an der Entstehung der jüdisch-deutschen Sprache grundlegend beteiligt gewesen. In dieser Mischung von Mundarten rangen nun die einzelnen Teile um ihre Existenz, und in dem sich entspinnenden struggle for life scheinen die ostmitteldeutschen Dialekte sich schließlich durchgesetzt zu haben, ohne jedoch die Spuren der anderen Ei valen gänzlich tilgen zu können. Gerzon(a. a.O.) nimmt an, daß das Obersächsisch-Thüringische und Schlesische die Oberhand erlangt haben, und stützt diese Annahme auf die Beobachtung, daß die diesen Dialekten eigentümliche Verschiebung des germanischen ״pa zu ״f“ im Anlaut und nach ״ru und 1״“ im Inlaut sich auch im Jüdisch-Deutschen findet. Trifft diese Vermutung zu, so hätten wir die Heimat des überwiegenden Teiles der jüdischen Einwanderer Polens in den benachbarten Provinzen Mitteldeutschlands zu suchen. Die rauhe Aussprache des ״ch“, das immer wie in ״Frucht“ lautet, verrät alemannischen Einfluß. Die Deminutiva ״lech, lach“, wie in ״Kinderlach u, ״Lichtelach“, und ״lew wie in ״Harzele“ (Herzchen) weisen ebenfalls auf süddeutschen Ursprung hin. Die Einwirkungen verschieden gearteter Umgebungen und wohl auch Nachklänge der ursprünglichen Heimatsdialekte haben im Laufe der Zeit eine Spaltung der jüdisch-deutschen Sprache in verschiedene mundartliche Gruppen hervorgerufen. Man unterscheidet den südlichen Dialekt, der den Süden Rußlands, Rumänien, Ungarn und Teile von Galizien umfaßt, den polnischen Dialekt, der außer in Polen auch noch in den angrenzenden Gebieten von Galizien und Litauen heimisch ist, und den litauischen Dialekt. Die unterscheidenden Merkmale dieser Mundarten liegen ausschließlich im Bereiche des Vokalismus;

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