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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 429

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 429 (sequence 19)
Language
German
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Die jüdisch-deutsche Sprache. 429 der Ostjuden und ihr Leben und Weben im Religionsgesetze mit seiner Durchdringung des täglichen Lebens einer größeren Anzahl hebräischer Bestandteile Eingang in die jüdisch-deutsche Sprache verschaffte, während infolge einer gewissen nicht zu vermeidenden Berührung der polnischen Juden mit ihrer Umgebung auch slawische Wörter, wenn auch in beschränkter Zahl, Aufnahme fanden. Weil der jüdisch-deutsche Dialekt Formen aus dem Mittelalter der deutschen Sprache treu bewahrt und Fremdwörter in mäßigem Umfange seinem Organismus eingefügt hat, klingt er unserem Ohre fremdartig, was aber keine Berechtigung dazu bietet, ihn mit dem Stigma eines ״lachenerregenden Kauderwelsches“, eines ״häßlichen Gelalles“ zu behaften, wie Graetz es tut. Die Charakterisierung des Idioms der Ostjuden als eine ״abscheuliche, verhunzte Sprache“, wie sie Heinrich Treitschke gegeben hat, kann uns weniger in Erstaunen setzen, da im Munde eines Treitschke eine solche Äußerung nicht wissenschaftlicher Objektivität, sondern dem fanatischen Hasse gegen alles Jüdische zuzuschreiben ist. Die deutsche Sprache der polnischen Juden eroberte im Laufe der Zeit die Ghetti von Galizien, Rußland, Ungarn und Rumänien. Auch die schon lange vor dem 14. Jahrhundert in Rußland ansässigen Juden nahmen allmählich die Sprache der aus Deutschland eingewanderten Glaubensgenossen an. Das ist vielleicht auf den Einfluß der polnischen Rabbiner, die in Rußland vielfach Ämter bekleideten, zurückzuführen. So hören wir, daß zu Beginn des 17. Jahrhunderts der aus Polen stammende R. Meir Katz, der Vater des ״Schach“, der in Mohilew a. Dniepr die Rabbinerwürde inne hatte, in einer seiner Responsen dem Wunsche Ausdruck gibt, daß die Juden des Gouvernements, in dem er wirkte, und auch alle anderen Juden eine Sprache, das Deutsche, sprechen möchten. Im 19. Jahrhundert wanderte dann das Jüdisch-Deutsche mit dem Strom der jüdischen Auswanderer aus Polen und Rußland über die Meere. Es konnte nicht ausbleiben, daß es in den enghschen Sprachgebieten gewisse Einwirkungen des Englischen erfuhr. 28*

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