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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 425 (sequence 15)
Language
German
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Die jüdisch-deutsche Sprache. 425 ihnen lieb und teuer gewordene Idiom aus der Schule zu tilgen und damit ihren Kindern zu rauben. Es ist zwar vom Standpunkte des gesetzestreuen Judentums prinzipiell gleichgültig, welche profane Sprache die Juden sprechen. Aber auch unwesentliche äußere Dinge erhalten oft durch besondere Umstände einen inneren Wert von grundsätzlicher Bedeutung, der ihnen an sich nicht zukommt. Wie die typische Tracht, die wahrscheinlich deutschen, vielleicht auch slawischen Ursprungs ist den Ostjuden als heiliges Vätererbe und unantastbare Überlieferung gilt, so ist ihnen auch die jüdisch-deutsche Sprache, in der schon die Wiegenlieder längst vergangener Geschlechter gesungen wurden, in der sie vor allem ״lernen“, ans Herz gewachsen. Sie erscheint ihnen als Schutzwall gegen eine religiöse Assimilation und als Wahrzeichen ihrer Eigenkultur. Daher ist sie mit dem Kimbus einer gewissen Heiligkeit umwoben. Die folgenden Ausführungen versuchen, einen Überblick über das äußere und innere Wachsen und Werden, die Dialekte, den Wortschatz und die Grammatik der jüdisch-deutschen Sprache zu gewähren und eine knappe Skizze der jüdischdeutschen Literatur zu zeichnen. I. Die ersten Spuren jüdischer Ansiedelungen in Deutschland führen in die Zeit der Gründung der römischen Kolonien am ]Rhein und an der Donau zurück. Zur Zeit Karls des Großen bilden die Juden bereits einen bedeutsamen Bestandteil der Bevölkerung des Frankenreiches. Wir können feststellen, daß sie sich unter Ludwig dem Frommen (814—840) der Sprache ihrer Umgebung nicht nur im Umgang und Handel, sondern auch auf der Kanzel bedienen. Wenigstens vernehmen wir es so aus der Klage des Bischofs Agobard von Lyon, der in einer Schmähschrift gegen die Juden seinem Ingrimm darüber Luft macht, daß die Christen aufmerksame Zuhörer jüdischer Prediger sind und sogar den jüdischen Kanzelrednern unter Zurücksetzung ihrer eigenen Priester die Palme der Bered-

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