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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 424

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 424 (sequence 14)
Language
German
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424 Die jüdisch-deutsche Sprache. zwischen Okzident und Orient. Wie Heinrich Loewe in den süddeutschen Monatsheften (Februar 1916, S. 711) mitteilt, fand der niederrheinische Ritter Arnold von fiarff, als er in den Jahren 1496 —1499 eine Pilgerfahrt unternahm, die ihn von Köln durch Italien, Syrien, Ägypten, Arabien, Äthiopien, Nubien, Palästina, die Türkei, Frankreich und Spanien führte, an vielen Orten seiner Wanderfahrt deutschsprechende Juden, mit denen er um der Sprache willen oft Gesellschaft halten mußte. Im 19. Jahrhundert brachte der Strom der jüdischen Auswanderer aus dem Osten Europas jüdisch-deutsche Laute auch nach der neuen Welt und nach Südafrika, so daß deutsche Kultur auf den Schwingen der jüdisch-deutschen Sprache nach allen Richtungen der Windrose getragen wurde. Ein Idiom, das in allen Gegenden des Erdballs, in Polen, Litauen, Kurland, Rußland, Galizien, Ungarn, Rumänien, in Paris und London ebenso wie in Jerusalem, Johannesburg, Sidney und New-York von kulturell und auch wirtschaftlich vielfach hervorragenden Bevölkerungsschichten gesprochen wird, hat ein Anrecht darauf, in der großen linguistischen Sinfonie der Menschheit seinen Klang zu behaupten. Man wird kaum übertreiben, wenn man die Zahl der über das weite Erdenrund verstreuten Juden, deren Muttersprache das Jüdisch-deutsche ist, auf 9—10 Millionen beziffert1). Die Ostjuden und auch die älteren Generationen der aus Osteuropa stammenden Juden der neuen Welt hängen mit einer fast zärtlich zu nennenden Innigkeit an dieser Sprache, die sie als Mameloschen (Muttersprache) bezeichnen. Sie sträuben sich in ihrer großen Mehrheit gegen die Bestrebungen, in den unter deutscher Verwaltung stehenden Gebieten dieses J) Davis Trietsch (״Von den Sprachenverhältnissen der Juden“ in Zeitschr. f. Demographie u. Statistik der Juden II. Jahrg. Juli-Sept. 1916) berechnet, dass bei einer Totalziffer von ca. 14 Millionen ungefähr 13 Millionen Juden Deutsch sprechen, in dem Sinne, dass Jüdisch-Deutsch, und Deutsch sowohl als Muttersprache wie als zweite oder auch als irgend wie eine Verständigungmöglichkeit bietende Sprache in Betracht gezogen sind.

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