Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 8 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 419 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.Der Zweck heiligt die Mittel“. 419 daß der Friede ein Kulturleben erzeugen könnte, an dem wir unsere Freude haben können,—tut er es denn? Gedeiht in ihm jene echte Mannhaftigkeit, die zu hoch denkt, um feige zu lügen, zu kraftvoll, um weichlichem Genuß zu erliegen? Die Erfahrung lehrt das Gegenteil. Laßt es euch von eurer Bibel sagen: וישמן ישרון ויבעט wenn es einem Volk zu gut geht, dann ״verfettet es und schlägt aus״. Das gilt heute in stärkerem Maße als je. Der Friede erzeugt allenthalben die Überspannungen einer raffinierten Kultur, unter denen der Asthetizismus, den ja auch ihr ablehnt, noch nicht einmal die schlimmste ist. Dagegen helfen eure Predigten und Bücher sehr wenig. Kur das strenge Kommandowort des Krieges kann zu ursprünglicher Einfachheit und zu schlichter, selbstverständlicher Pflichterfüllung zurückführen. Nun ließe sich zunächst mit der Gegenfrage antworten, ob denn der Krieg zu jener echten Ritterlichkeit erzieht, die seine Anhänger rühmen. Braucht ihr nur solche Mittel, die als ehrenhaft gelten? Kommt es vor oder nicht, daß wehrlose Gefangene mißhandelt, Bomben ohne die Absicht militärischen Schadens abgeworfen, Lazarettzüge zum ungefährdeten Nachschub von Truppen mißbraucht werden, wie es doch jede der kriegführenden Parteien dem Gegner zum Vorwurf macht? Dient niemals die verhältnismäßig große Macht, zu der ein ans Befehlen nicht Gewöhnter im Kriege gelangt, zur Förderung roher Instinkte? Und hat, wenn an geistig-künstlerische Kulturwerte gedacht wird, der Zustand Deutschlands in den Siebziger Jahren unmittelbar nach drei großen Feldzügen die Freunde des Krieges (ich denke an Nietzsches kulturkritische Aufsätze) befriedigt? Dagegen zeigt doch wohl die Schweiz, die mehr als hundert Jahre von den ״Segnungen des Krieges״ verschont geblieben ist, daß keineswegs der Friede unbedingt zum Marasmus und zur Überkultur führen muß. Weit wichtiger ist uns aber eine andere Erwägung. Sie führt uns zur Erkenntnis des grundsätzlichen Gegensatzes zwischen jüdischer und militaristischer Weltanschauung. Denn eine Weltanschauung liegt allerdings dem Militarismus, wenig-