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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 418

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 418 (sequence 8)
Language
German
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418 ״Der Zweck heiligt die Mittel״. und lehrt uns, der Gesamtheit nicht nur einen verschwindenden Teil der Zeit oder des Einkommens, sondern alles zu opfern, und läßt uns eben dadurch den vollen Wert der Persönlichkeit entfalten und erleben. Solche Erwägungen verdienen, glaube ich, unsere ernsteste Beachtung. Denn in dem Glauben, daß der Zweck der Lebenserhöhung schwere Opfer fordern darf, in der bestimmten Ablehnung des bloßen Nützlichkeitsgedankens und der aus ihm fließenden Maßstäbe stimmen wir völlig mit ihnen überein. Aber wir müssen ihnen zunächst entgegenhalten, daß sie den sittlichen Wert des Friedenslebens ganz bedeutend unterschätzen. Es wirkt in ihnen anscheinend noch etwas nach von den Wertbegriffen des alten Germanen, der die Feldbestellung Frau und Sklaven überließ, oder des mittelalterlichen Ritters, der auf den Bauer und den Handwerker mit unverhohlener V erachtung herabsah. Mit berechtigter Schärfe hat Gustav Freytag in ״ Soll und Haben״ die — unter demEinfluß solcher Anschauungen stehenden — Ehrbegriffe eines Adelstandes kritisiert, der eher den unehelichen Abkömmling eines Großfürsten in seinen Kreisen duldet als den Sohn eines braven bürgerlichen Ehepaars, hat das deutsche Volk ״da gesucht, wo es am tüchtigsten ist, in seiner Arbeit״, und erwiesen, daß der Beruf des Kaufmanns ebensoviel Mut, Charakterstärke und Treue erfordert wie derjenige des Offiziers. So viel wir als Juden gegen die Zeichnung einzelner Figuren des Romans einzuwenden haben, so völlig stimmen wir in der sittlichen Wertung eines auf Arbeit aufgebauten Lebens mit ihm überein. Dem Judentum erschien niemals ein Gewerbe verächtlich, das in ehrlicher Weise betrieben werden kann. Auch die Zeit des ewigen Friedens? die es für die Menschheit ersehnt, bedeutet kein Schlaraffenleben; an Stelle des Schwertes und der Lanze sollen Pflugschar und Winzermesser treten; denn ״wenn du von der Mühe deiner Hände lebst, heil dir und wohl dir“, das heißt nach der Erklärung unserer Weisen: heil dir in dieser und wohl dir in jener Welt. Mit diesem Einwand werden wir aber die Freunde des Krieges kaum überzeugen. Zugegeben auch, werden sie sagen,

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