Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 8 (August 1916)
- Date
- 1916-08-01
- Page
- Seite 417 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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417 ״Der Zweck heiligt die Mittel“. mich erlöst und befreit von den Fremden, deren Wort Lug und deren Handschlag Trug ist“. Das ist Davids Freude, daß er sich vor Lügnern und Betrügern nicht zu beugen braucht, daß er gegen Leute, die mit Amaleks Waffen kämpfen, sein ehrliches Schwert schwingen kann — zur Verteidigung des heimatlichen Friedens, mit dessen Schilderung der Psalm ab schließt. Muß es also durchaus dabei bleiben, daß niemals in der Bibel der Krieg als Freude und Glück empfunden wird, so kann sehr wohl die Frage gestellt werden, ob ihn die Bibel nur als einen Fluch betrachtet oder als ein Unrecht, an dessen Beseitigung zu arbeiten unsere sittliche Pflicht ist. Freilich ergibt sich aber sofort, daß beide Auffassungen nicht so scharf voneinander zu trennen sind, wie es zuerst scheinen möchte. Auch wenn der Krieg nur mit Krankheit und Mißwachs auf einer Stufe stünde, also moralisch unanfechtbar wäre, so wäre doch seine Bekämpfung, wie die jeden anderen Unglücks, meine Aufgabe. Wenn ich nach dem Gesetz der Bibel Witwen und Waisen trösten und den Armen beistehen soll, wie müßte ich da nicht alles tun, um den Krieg zu ver־ hüten, der Hunderttausende zu Witwen und Waisen macht, und Milliarden, die für die Linderung menschlicher Not hätten nutzbar gemacht werden können, in Meerestiefen versenkt? Aber — so sagen die denkenden Anhänger des Krieges — jene Milliarden sind nicht verschwendet. Sie sind gleichsam umgesetzt in Charakterwerte. Seht euch doch um: wieviel Größe und sittlichen Wert verleiht der Krieg doch den vielen Tausenden, die jetzt für ihr Vaterland kämpfen und vielleicht bluten! Aus Leuten, die in der Fron ländlicher Arbeit oder im Strudel großstädtischen Genußlebens nur an das eigene Wohl und Behagen dachten, sind Menschen geworden, die jenen Grundsatz, daß das Leben nicht der Güter höchstes ist, nicht nur auf den Lippen tragen, sondern stündlich zur Wahrheit machen: die Kettung des Kameraden, die Ehre des Vaterlandes gilt ihnen höher als die eigene Existenz. Wenn irgend etwas, so reißt uns der Krieg aus der Enge des Eigenlebens heraus