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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 416

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 416 (sequence 6)
Language
German
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416 ,Der Zweck heiligt die Mittel“. zum Kriege. Denn wenn sie im Einzelfalle einen Krieg für notwendig und unvermeidlich hält, so folgt daraus durchaus nicht, daß sie den Krieg als solchen vorbehaltlos billige. Mancher heutige Staatsmann, wir dürfen wohl insbesondere an den obersten Kriegsherrn des Deutschen Reiches denken, hat, ohne einen Krieg der Notwehr zu verwerfen, doch alles Mögliche getan, um seinem Lande und der Welt den Frieden möglichst lange zu erhalten, während andere Persönlichkeiten, an denen wohl auch in unserem deutschen Vaterlande kein Mangel ist, auf dem Standpunkte stehen, daß der Krieg etwas Herrliches und der ewige Friede ein Traum ״und nicht einmal ein schöner Traum״ sei. Wie die Bibel zu dieser Meinungsverschiedenheit steht, scheint der Darlegung nicht erstzu bedürfen. Nicht erst in fernster Ferne zeigt sie unsdas Ideal des Weltfriedens. Fast alle ihre Seiten durchzieht die Sehnsucht nach jenemunübersetzbarenBegriffe שלום, in welchem Waffenruhe, Wohlbefinden und Seelenfrieden zu völliger Einheit zusammenfließen. Und so wenig wie sich שלום in den europäischen Sprachen wiedergeben läßt, so wenig läßt sich ein Begriff wie der vom ״Felde der Ehre״, auf dem sieh’s rühmlicher stirbt, als auf dem feigen Lotterbette des Friedens, hebräisch zum Ausdruck bringen. Dankbarkeit gegen einen Sieger klingt oft aus den Seiten der Bibel wieder; die trotzige Freude am Kriege als solchem und an der Bewährung der eigenen Heldenkraft sucht man in ihr vergebens. Oder irren wir? Hat nicht auch König David Gott gedankt, ״der die Hand den Kampf gelehrt, die Finger das Streiten״? Nun, man lese den Psalm nur etwas weiter. ״Herr, was ist der Mensch, daß du ihn erkennest, der Erdensohn, daß du sein gedenkest! Der Mensch gleicht dem Nichts, seine Tage dem gleitenden Schatten!״ Der Abstand zwischen dieser Stimmung und derjenigen eines echten germanischen oder spartanischen Heldenliedes ist so groß, daß man zunächst schwer begreift, wieso sich ein Mann von solcher Demut seiner Kriegstüchtigkeit rühmen und freuen kann. Aber die Frage löst sich bald. Wenige Verse später heißt es: ״Du hast

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