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Jeschurun · 1916-08-01 · Heft 8 (August 1916) · p. Seite 415

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 8 (August 1916)
Date
1916-08-01
Page
Seite 415 (sequence 5)
Language
German
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,Der Zweck heiligt die Mittel“. 4!5 bedeutet das einen Vorstoß gegen diejenigen Moralgesetze, die auch dem Heiden heilig sein sollen. Ein zweites Beispiel unehrenhafter Kriegführung finden wir bei den Moabitern. Ihrem König Balak ist das Herannahen des Volkes Israel offenbar unbequem. Aber er wagt keinen Kampf. Er sucht vielmehr gegen ein gutes Honorar den Seher Bileam zu Fluchsprüchen zu gewinnen. Das gelingt freilich nicht; immerhin weiß Bileam guten Kat. An den Grenzen der moabitischen Flur findet Israel bald Altäre der heidnischen Götter — und neben ihnen jene Haine und Zelte, in denen sich nach der verbreiteten Sitte des heidnischen Orients selbst Fürstentöchter den Fremden zur Ehre der Götter hingaben. Um Israel zu vernichten, setzt also das tapfere Volk von Moab nicht das Leben seiner Söhne ein, sondern — die Ehre seiner Töchter. Es ist sehr interessant, wie sich der Midrasch z. St. über diese Methode der Kriegsführung äußert. ״Zwei Völker haben Israel mit dem Schwerte bedroht: Ägypten und Edom; zwei mit Waffen der Sünde: Ammon und Moab. Daher heißt es: Du sollst den Ägypter und den Edomiter nicht verabscheuen; aber: der Ammoniter und der Moabiter darf nie eintreten in deine Gemeinschaft. Denn wer einen zur Sünde verleitet, ist schlimmer als ein Mörder״. Die Schlußworte zeigen, worauf der Midrasch die Unter- Scheidung zwischen erlaubter und unerlaubter Kriegsführung begründet. Die Freude an der — fast möchte man sagen — sportlich richtigen Ausführung, am fair play, wie man sich wohl ausgedrückt hat, liegt ihm gänzlich fern. Er geht vielmehr von der Anschauung aus, daß das Leben nicht der Güter höchstes ist, der Übel größtes aber ist die Schuld. Daraus folgt einerseits, daß der Staat im Interesse höherer Güter gewaltsam über Menschenleben verfügen darf. Es folgt aber andererseits, daß er eine Niedertracht weder selbst begehen, noch veranlassen darf. In diesem Sinne glaubt das Judentum allerdings an den ״unendlichen Wert der Menschenseele“. ü. Aus diesen Erwägungen ergibt sich die Beantwortung der Frage nach der grundsätzlichen Stellung der Bibel

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