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Jeschurun · 1916-07-01 · Heft 7 (Juli 1916) · p. Seite 408

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 7 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 408 (sequence 62)
Language
German
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408 Der Jude. leicht — in ihren Eltern. — die junge Ostjüdin hat doch immer einen Vater, eine ältere Generation vor sich, welche sich mit den höchsten Dingen des Geistes, mit Gott und dem Sinn des Daseins beschäftigt.-Ein galizisches Mädchen sieht die Einheit eines frommen Mannes vor sich, eine unablässige Bemühung und Hochgespanntheit, gleichsam eine ewige Festlichkeit des Geistes, der nur ungern und für kurze Zeit in den AUtag hinabsteigt.-Was aber erlebt die junge Westjüdin im Elternhaus? Der Vater kennt ausdrücklich und in des Wortes furchtbarster Bedeutung keine andere Wichtigkeit als das Geschäft. — Es fällt ihm nicht im Traume ein als erwachsener Mann ״zu lernen“ wie die im Osten die Beschäftigung mit den religiösen Dingen so schön und echtjüdisch nennen.-“ Solche Worte gewinnen an Bedeutung, wenn Max Brod sie spricht. Von tiefem Ernst ist der Aufsatz von Julius Berger ״Deutsche Juden und polnische Juden*" getragen, eine bittere Anklage gegen uns, unser Sündenregister gegen den polnischen Juden. Auch Hermann Cohen wird immer man hören. Wie er den polnischen Juden sieht, was er erhofft, von der Verschmelzung der Beligiösität, zu der seine seelische Einsamkeit den deutschen Juden gebracht, mit der Dulderkraft, der ursprünglichen Sittlichkeit nnd geistigen Spannkraft der ostjüdischen Massen, das wird mannigfache Anregung bieten. Wir haben gelobt, was zu loben war. Nicht alles ist gleich kraftvoll und gediegen. Viel Ueberflüssiges geht nebenher, manches Alltägliche und Breitgesponnene. Auch wird etwas Kult mit dem Worte getrieben, man sieht im Ganzen mehr den Willen als den Weg. Hier aber sind wir schon an den Grenzen einer prinzipiellen Kritik. Wir haben bisher noch nicht Stellung genommen zu den Aufsätzen, die den Geist der Zeitschrift tragen und verkünden sollen. Martin Buber gibt die ״Losung“. Der Name — bedeutet vielleicht kein festumrissenes Programm, — kennzeichnet aber sicher Stimmung und Richtung der Blätter. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir die Unterscheidung Oskar Epstein, (Grundsätzliches zur zionistischen Gegenwartsarbeit) von formalem und wesenhaftem Nationalismus als die knappe und klare begriffliche Fassung dessen ansprechen, was den Willen dieses Kreises bewegt. Sie wollen Menschen werben, Menschen schaßen nicht nur das Judentum, den Juden aus seiner eigenen Zersplitterung erlösen. Ihm, der die Beligion der Väter, das uralte Band der Gemeinschaft verloren hat, neue Kraft und neuen Halt und neue Ideale geben. Da kommt man mit hebräischem Kommando und Comment, mit klingenden Reden und großspurigen Zahlen nicht weit. Weiß doch jeder, wie wenig im allgemeinen den Zionisten der Großstadt vom Assimilanten scheidet. Das Zwei-Xinders3rstem, die gleiche erschreckende Schlaffheit in religiösen und sittlichen Fragen wird man

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