Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 404 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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404 Von der weltkultnreHen Bedeutung u. Aufgabe d. Judentums. besteht. Der Yf. meint, es wäre bisher nicht das Richtige über diese Verwandtschaft gesagt worden. Ist das, was er uns bietet, das Richtige? Es ist geistvoll und schön gesagt. Aber sollte es so schwer werden, wenn man von Verschiedenheiten absehen will, mit dem gleichen Schein von Berechtigung eine Wesensverwandtschaft zwischen anderen Völkern und dem Judentum festzustellen? Sollte es einem englischen Juden wirklich nicht möglich sein, noch innigere Beziehungen zwischen der Art der beiden fast ausschließlich auf den Handel eingestellten Nationen aufzudecken? Oder einem russischen in der weichen, hingebungsvollen, die Religion in den Mittelpunkt stellenden Tendenz des Russen und Juden eine WesensverwTandtschaft zu sehen? Wir können hier wirklich nicht auf Einzel־* heiten eingehen. Wir wollen es auch nicht, um nicht den Eindruck der oft geradezu poetischen Schilderung zu zerstören. Deshalb bleibt es aber doch nur ein schöner Schein. Deutsche und Juden sind ganz hervorragende Erscheinungen im Völkerleben. Aber keine Dialektik kann den Gegensatz hinwegdisputieren. Die Deutschen, durch Anlage Vererbung, geographische Lage, Geschichte usw. ein Volk von ausgesprochen kriegerischen Eigenschaften; mit allen Vorzügen und Fehlern dieses Typus, die Juden, durch ihre Bestimmung und ihre Schicksale ein Volk des Friedens, mit allen Tugenden und Schwächen dieser Wesensart. Sie können einander ergänzen (und der Vf. selber hat das ja ausgesprochen), indem das Judentum der Entartung des Machtprinzips zur Gewaltherrschaft, die bei einem entscheidenden Siege eines kriegerischen Volkes droht, durch seine sittlichen Ideale entgegenzuwirken sucht. Aber selbst wenn all das, was der Vf. über die Wesens- Verwandtschaft zwischen Deutschtum und Judentum ausfübrt, den Tatsachen entspräche, die ganze Art der Abgrenzung der weltkulturellen Aufgabe des Judentums ist vom religiösen Standpunkt falsch. Sie ist einerseits zu eng und andererseits zu weit. Der Vf. denkt doch nicht an irgendwelche Vermittlertätigkeit materieller Art, sondern an die weit kulturelle Aufgabe, und diese sieht er in den rein geistigen Werten, die