Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 403 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der weltkulturellen Bedeutung u. Aufgabe d. Judentums. 403 niedrige Ton des Radauantisemitismus bei Lagarde scheint nicht zu stören) — Kreuzzeitung, Deutsche Tageszeitung, Germania und Konsorten werden sich die herabsetzenden Äußerungen nicht entgehen lassen und die behaupteten konservativen Neigungen der Nationaljuden wohlweislich verschweigen. Doch wie gesagt, die Schilderung der weltkultureilen Bedeutung des Judentums kann man sich im Großen und Ganzen wohl gefallen lassen. Der Vf. wertet die Vergangenheit, und die Vergangenheit gehört der Geschichte an, da können zu große Irrtümer nicht unterlaufen. Doch die pragmatischen Betrachtungen über die Zukunft, die er der weltkulturellen Aufgabe des Judentums zu Grunde legt, sind fast durchwegs anfechtbar. Deutsche Professorenweisheit hat uns die Weltkultur der Zukunft oft genug in den Farben geschildert, wie es durch den Vf. geschieht. Es will uns recht gewagt erscheinen, bei dem jetzigen Stande der Dinge, in dem Europa sich immer mehr zerfleischt und Amerika und Japan in viel höherem Maße zu Weltmächten heranreifen, als wir es je ahnen konnten, mit so entschiedener Sicherheit die These auszusprechen, die Weltkultur werde ausschließlich von Deutschland ihren Charakter erhalten. Auch mit der Behauptung: deutsch sein, das bedeute eine Sache um ihrer selbst willen tun, während die anderen Völker nur des lieben Geschäfts willen oder zu ihrem Vergnügen arbeiten, sollte man uns endlich fern bleiben, sie wird dadurch nicht wahrer, daß sie unzählige Male verkündet worden ist. Die Menschen erkennt man nach einem talmudischen Ausspruch nach ihrem Verhalten in Geldangelegenheiten und da hat überall — Stadt und Land haben sich da gegenseitig nichts vorzuwerfen —. nicht nur die Gemütlichkeit aufgehört, auch von dem kategorischen Imperativ Kants, der doch allen Deutschen im Blut stecken soll, hat man verzweifelt wenig gemerkt. Die erfolgreiche Mitarbeit des Judentums an der von deutschem Geist bestimmten Weltkultur soll nach dem Vf. deshalb zu erhoffen sein, weil zwischen Deutschtum und Judentum inbetreff der innersten Wesenstendenzen Verwandtschaft