Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 405 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Von der weltkulturellen Bedeutung u. Aufgabe d. Judentums. 405 das Judentum der Wrelt bringen soll. Das Judentum nun aber als dienendes Glied in den Block der Mittelmeermächte einzuordnen und seine Bestimmung nur darin zu sehen. Vorderasien die Ideen Europas zu vermitteln, das soll die Bestimmung des Judentums sein? Aber jene Abgrenzung ist auch zu weit. Gott hat uns in die Welt gesetzt, das ist unsere religiöse Auffassung, damit wir Juden sind, Juden in dem Sinne, wie es die Offenbarung am Sinai von uns fordert. Dieser Aufgabe haben wir zuerst gerecht zu werden. Sie ist noch lange nicht erfüllt, und darum sollten wir uns recht wenig den Kopf darüber zerbrechen, was wir anderen Völkern an geistigen Werten zu vermitteln haben. Diese Vermittlung ist eine Folge unseres Seins und unserer Betätigung, denn die Judenheit ist mit der Gesamtmenschheit in unendlich mannigfachen Beziehungen verflochten. Und diese Folge ist sicher auch eine gottgewollte. Aber es ist nicht unrere Aufgabe? diese Vermittlung anzustreben, bevor wir nicht uns selbst zum Gottesvolke erzogen haben. Der Vf. wird mit Hecht einwenden, daß wir sein Buch das von rein nationaljüdischem Standpunkt geschrieben ist, unmöglich von der Warte einer religiösen Weltanschauung beurteilen können. Hätte er von den Dingen gesprochen, die zur Zeit der Vorherrschaft des politischen Zionismus vorgebracht wurden, von der gewaltigen handelspolitischen Bedeutung etwa eines jüdischen Staates an der Grenze von drei Weltteilen u, ä., dann wäre dieser Einwand berechtigt. Aber er behandelt ja ausschließlich die weltkulturelle Aufgäbe und sieht diese vorwiegend in den spezifischen geistigen und für das Judentum charakteristischen religiös־ ethischen Werten. Und da ist eben zu fragen, was gegen den Kultur- Zionismus in allen seinen Formen immer einzuwenden ist: welche Gewähr bietet das Nationaljudentum, das alles, was die internationale Kultur geschaffen, in sich wahllos aufnimmt und religiös völlig wurzellos geworden ist, dafür, daß es irgendwie ein geeigneter Vorkämpfer der großen Ideenwelt des Judentums sein wird? Wir werden immer darauf vertröstet