Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 402 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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402 Von der weltkulturellen Bedeutung u. Aufgabe d. Judentums. vorderasiatischen Kultur Systems ist und darum berufen war, Vermittler zu sein zwischen Vorderasien und Europa״. Diese Tatsache ist sehr nützlich, um dem pragmatischen Aufbau des Vfs. eine besondere schöne Architektonik zu verleihen. Die Gegenüberstellung: Die tiefste Bedeutung in der Vergangenheit war es für das Judentum, den Vermittler zwischen Vorderasien und Europa zu spielen, seine höchste Aufgabe für die Zukunft ist, diese Vermittlerrolle in umgekehrter Ordnung jetzt zu übernehmen, — diese Gegenüberstellung ist sehr bestechend. Warum aber Israel, daß ״ein Licht sein sollte all en Völkern und das dies Licht auch nicht nur Europa, sondern dem größten Teil der Welt gebracht, das dies Licht nach unserer Auffassung am Sinai erhielt, nach des Vfs. Ansicht an seinem eigenen Geist entzündet hat, dem tiefsten Sinn seiner weit־ kulturellen Bedeutung in dieser Beschränkung sehen soll, ist uns nicht einleuchtend. Treffend ist, was der Vf. über die weltkulturelle Bedeutung des Ghettojudentums und den Charakter des modernen Judentums sagt. Sehr bedenklich jedoch, wie er die weit־ kulturelle Bedeutung des letzteren schildert. Es ist doch recht zweifelhaft, ob man dem Kontingent, das die Juden als Vorkämpfer der reformatorischen und revolutionären Bewegungen in der modernen Zeit gestellt haben, irgendwie weit kulturelle Bedeutung zuschreiben kann. Man streiche aus diesen Bewegungen alles, was die Juden für sie geleistet haben und man wird dennoch nicht sagen können, daß sie nicht ebenso gut ihre Richtung eingehalten hätten. In einer Schrift, die ganz besonders für die nichtjüdische Welt bestimmt ist, die modernen Juden als Radikale, Revolutionäre und Nihilisten zu charakterisieren, das wollte wohl bedacht sein. Was hilft es, daß der Vf. uns darüber belehrt, die Juden hätten mit dieser Arbeit des Niederreißens nur die Aufgabe des neunzehnten Jahrhunderts erfüllt — auch das ist übrigens in dieser Allgemeinheit eine sehr gewagte Behauptung — daß er uns versichert, die modernen Nationaljuden das wären ganz andere Leute, die hätten sich an Fichte, Hegel und Lagarde gebildet, (der oft