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Jeschurun · 1916-07-01 · Heft 7 (Juli 1916) · p. Seite 401

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 7 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 401 (sequence 55)
Language
German
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Von der weltkultureilen Bedentimg tl. Aufgabe d. Judentums. 401 darauf, wie durch den nationalen Ton in den Reden des Propheten die Gefahr vermieden wurde, daß die Idee der einen Menschheit zu einem wesenlosen Kosmopolitismus verblaßte. Wenn er bei dieser Gelegenheit aber anführt, daß der Auserwähltheitsgedanke nur eine äußere Form war, weil das Judentum, ״wie alle antiken Kulturen alles mit einem religiösen Gewand umgab״, so kann dagegen nicht entschieden genug Verwahrung eingelegt werden. Der religiöse Gedanke ist alles, und die Daseinsberechtigung des Volkes schwindet für den Propheten mit dem Augenblick, wo dieser religiöse Gedanke nicht anerkannt wird. Für die Propheten hat es keinen Sinn, daß Juden sind, wenn sie nicht die ihnen gestellte religiöse Aufgabe erfüllen. Es gibt kein Volk, daß je in diesem Sinne seine Existenzberechtigung negiert hätte. Auch der ״jüdische Volksgeist״ hätte es nie aus sich heraus vermocht, denn das wäre vom Kationalgefühl aus widersinnig, wenn ihnen die Propheten nicht eben diese göttliche Botschaft gebracht. Der zweite Gedanke, daß die Grundlage der modernen Kultur nicht nur ebenso sehr sondern noch mehr als das antike Griechentum das alte Judentum ist, kann nicht oft und stark genug ausgesprochen werden. Der Vf. hat es vermieden, hierbei in den Fehler von Hermann Cohen zu verfallen und den Protestantismus und nun gar den liberalen Protestantismus als das eigentliche Bindeglied zwischen dem alten Judentum und der modernen Kultur hinzustellen. Mit Recht verweist er darauf, daß England und Frankreich die Ideen des Zeitalters der Humanität verbreitet haben. Er hätte noch hinzufügen können, daß recht eigentlich in der Polemik gegen die Bibel (man denke an Collins, Toland und Tindal) aber eben dadurch beeinflußt vor der Bibel der Deismus, das Freimaurertum, die französische Aufklärungsphilosophie und all die anderen Bewegungen, welche die moderne Kultur geschaffen haben, entstanden sind. Weniger glücklich erscheint uns die Erklärung, daß ״der tiefste Sinn der weltkulturellen Bedeutung des Judentums darin zu suchen ist, daß es nur ein Glied und eine Ausdrucksform des

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