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Jeschurun · 1916-07-01 · Heft 7 (Juli 1916) · p. Seite 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 7 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 397 (sequence 51)
Language
German
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Von der weltkulturellen Bedeutung n. Aufgabe d. Judentums. 397 Deutschland? War es nicht durch Jahrhunderte, fähig einer der machtvollsten Staaten der Welt zu sein, der schwächste und verachtetste infolge seiner Zerrissenheit? Und heute noch: Wo gibt es so viele Eigenhrödler, Schrullenjäger und Trotzköpfe, wie in Deutschland? Darum auch in dem Werdegang beider Völker, in ihrer geschichtlichen Entwicklungslinie gewisse ähnliehe Kurven. Bei beiden der rasche Sturz nach einer Epoche höchsten Glanzes, bei beiden jahrhundertlange Kot und Zer- Splitterung, Unterdrückung durch die anderen Völker, bei beiden dann das plötzliche Erwachen zur politisch-nationalen Selbstbestimmung, bei beiden die sonst nicht gesehene Erscheinung einer zweiten Blütenperiode der Nation, die bei den Deutschen bereits aller Welt offenbar, bei den Juden aber von den Besten der Nation erhofft wird. War die Antwort des Verfassers nach der weltkulturellen Aufgabe des Judentums allgemein die der intensivsten positiven Mitarbeit an der künftigen Weltkultur, so erblickt er sie jetzt noch deutlicher in einer innigen, starken Kultur- und Geistesgemeinschaft von Deutschtum und Judentum. Es soll damit nicht eine praktische Forderung oder ein irgendwie politischaktuelles Programm ausgesprochen sein. Die Realisierung wird langer Zeiträume bedürfen und vielleicht ohne jede bewußte Mitwirkung der beiden Völker Vorgehen. In welcher Form sie sich gestalten wird, ist nicht zu sagen. ^Das Judentum wird aber wohl vor allem die Aufgabe zu erfüllen haben, innerhalb der künftigen Weltkultur ein Gegengewicht gegen die ihr drohende Gefahr der Übersteigerung des Machtprinzips zu bilden. Die beherrschende Eigenart der kommenden Weltkultur wird sozialen Charakter haben, ihre Ausdrucksform wird die Organisation sein, Organisation aber ist Macht. Mit der steigenden Ausdehnung des Organisationsgedankens wird das Machtprinzip in immer steigendem Grade das Leben und Denken der Völker durchdringen. Der jüdische Geist und das jüdische Ethos sind aber die radikalsten Gegenpole aller Gewalt. Die Stärke des jüdischen Volkes beruht seit jeher im Geistigen. So wird das Judentum auch in Zukunft die stärkste 26*

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