Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 387 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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W. Reymondt, ״Lodz, das gelobte Land“. 387 Wirksamkeit bekannte Rabbiner Meiseis in Lodz ein!). Muß der Verfasser, selbst wo er auf jüdische Art des W7ohltuns, der Brautwerbung zu sprechen kommt, immer gleich ins Hämische und Verdächtigende verfallen? So z. B. wenn er davon spricht, wie Mela ihrer Großmutter zu essen gibt, oder wie Schaja Mendelssohn Geld für gute Zwecke stiftet, nur um seinen Namen in der Zeitung zu lesen; oder wie derselbe seine Minjanieute in unschöner Weise entlohnt und vieles Ähnliche. Wrarum gibt es unter den geschilderten Juden (gegen die Jüdinnen ist Verf. liebenswürdiger) keinen einzigen, der ein tadelfreies Deutsch, beziehungsweise Polnisch spricht? Gewiß, auch all dies mögen wahre, echtgesehene Beobachtungen unter den Lodzer Millionären sein, aber nicht nur diese hätte ein vorurteilsloser Verfasser bringen dürfen. Und ist es kein nationales Vorurteil, daß Reymont bei den polnischen Familienszenen und Abendzusammenkünften kein W70rt über die auch Westeuropäern sattsam bekannte Indolenz, die mit zweifelhafter Reinlichkeit verbundene schäbige Eleganz des polnischen niedern und auch höheren Adels fallen läßt, sondern alles in Schönheit verklingt, während er bei der Schilderung jüdischen Familienlebens (kein Romanverfasser wagte bisher diesen Ehrenschild des jüdischen Volkes anzutasten!) ironische Seitenhiebe auf jüdische Unreinlichkeit, protzenhafte Geschmacklosigkeit und mangelnden Kunstsinn zu führen nie verabsäumt! Ein Sittenschilderer soll ein strenger Richter, ein kritischer Betrachter soziologischer Zustände, aber kein mit Scheuklappen versehener einseitiger Nationalist sein1). Doch die letzteren mehr Äußerliches betreffenden Umstände sind dem Verfasser als einem national entflammten Polen, der sein Vaterland als ein allenthalben von beute lüsternen Nachbarn umlauertes Kampffeld gefährdet sieht, vielleicht zu verzeihen, weniger *) Der Kunstwart (Deutscher Wille, Heft 12, p. 226 f., 1916) zeiht Beymont wegen seiner einseitigen Parteinahme für die Polen und gegen die Deutschen direkt russenfreundlicher und europafeindlicher Neigungen. Dies scheint uns nach unsren obigen Ausführungen doch zu 'weit srearansfen.