Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 386 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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386 W. Reymondt, ״Lodz, das gelobte Land“. denem, Borowiecki in größerem Maßstabe möchten dieses Wettrennen mit edleren Mitteln betreiben), wobei zur Weichlichkeit des Charakters leicht eine Dosis Falschheit und Geschmeidigkeit (Eigenschaften, die schon Heine in seiner obengenannten Abhandlung als den polnischen Edelmann kennzeichnend nennt) sich hinzugesellen. Alle diese Aristokraten des Namens bewähren sich kaum noch als Aristokraten des Geistes und der Gesinnung, und kein Zug ins Große bezeichnet ihre Heldenherkunft. Und dennoch, trotz all dieser gerechten Erwägungen — ziehen wir die Parallele zwischen der Behandlung der Polen und derjenigen der Juden in diesem Bomane, so ergibt sich ein bedenkliches Plus zugunsten der Polen. Bei den Polen überall ein gewisser Idealismus, bei all ihrer Schwächlichkeit eine gewisse Noblesse, ein Streben nach Menschlichkeit und Würde, während bei den Juden fast alle Handlungen bis zur Häßlichkeit, ja oft fast bis zur Widerwärtigkeit, die Mensehen bis zur Karikatur sich verzerren. Bei den Polen eine pointillistische Nebeneinanderstellung von Farben Wirkungen und Charakterschattierungen, bei den Juden fast nur ein ödes Nebeneinander von Grau in Grau. Gewiß sind dem Boman- Schriftsteller die Lokalfarben von Lodz und der geschilderten Kreise vertrauter als uns Fernstehenden, die nur nach Berichten, einzelnen Menschen oder zufälligen Kenntnissen urteilen. Aber ist es denn wirklich so, daß unter den Dutzenden von Lodzer Millionären und Großkaufleuten (Großmann, Halpern u. a., die guten Judentypen sind keine Millionäre) kein einziger wirklich Herzensgebildeter, kein einziger Vornehmer, kein einziger Philanthrop sich befindet? Verbrauchen sie alle ihre eminente Intelligenz (denn diese bann ihnen selbst der polnische Verfasser nicht absprechen) ausschließlich zur Erfindung immer raffinierterer Tricks und schmutziger Konkurrenzmanöver, und ist kein einziger ״königlicher“ Kaufmann mit höheren Geisteszielen, kein wirklicher ״Großkaufmann“ unter ihnen? Wir können es nicht glauben. (Wem fielen da nicht Namen wie Günzburg, Brodzki, Poljakoff, der durch soziale und humanitäre