Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 384 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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3^4 W. Reymondt, ״Lodz, das gelobte Land“. kommenen und anderswo) die Auswüchse kapitalistischer Ge״ sellschaftsordnung, seien sie bei Juden oder Niehtjuden anzutreffen; auch Sudermann hat jüngst erst (in der ״Gutgeschnittnen Ecke“) ein sehr dunkles Kapitel deutschen Gründertums und deutscher Journalistik jenseits aller Konfessionsklassen zu behandeln versucht. Auch unserem Schriftsteller liegt es fern, die Personen nach dem Schema: Hier Engel, dort Teufel zu gruppieren. Die Juden tun immer nur dasselbe, vielleicht in raffinierterer Weise, was ihre nichtjüdische Umgebung im reichsten Maße ihnen vortut. Auch bei der Judengruppe gibt es ehrlich streb ende Geschäftsleute, die, wie Großmann, lieber alles verlieren wollen als betrügerischen Bankrott machen. Auch unter den Jüdinnen finden wir die feine, hochgestimmte Mela, die trotz ihrer völlig irregeleiteten Hinneigung zum Polentum ihre jüdische Abstammung und Erziehung in gutem und schlechtem Sinne nicht verleugnen kann. Daß Reymont auch ein strenger Richter seiner Volksgenossen ist, kann man am offensichtlichsten an der Behändlung seines ״Helden“ Borowiecki beurteilen: dieser ist durchaus kein Ausbund guter Eigenschaften (vgl. seine Charakteristik am besten p. 427 £), er ist eher ein schwacher als ein edler Mensch; die Kämpfe die er mit sich führt gegen die Geschäftspraktiken der andern, ״sie waren lediglich Ideenreste, Überbleibsel, die letzten Splitter einer längst in Trümmer liegenden Ethik“ (ibid.), nichts weiter, nichts als automatische Worte, sie selbst und ihr Inhalt beeinflußten absolut nicht seinen Willen und sein Handeln (ibid.). Seine gute Erziehung, die überkommenen adligen Standesvorurteile, eine gewisse Rücksicht auf den biederen alten Vater halten ihn davor zurück, Schurkereien nach Muster der andern zu begehen. Feuer an eine hochversicherte Fabrik zu legen, Arbeiter auszubeuten, das Vertrauen der Freunde zu täuschen, dies alles wäre dem hochfeudalen Fabriksherrn zu gemein erschienen. Aber, ״es gab ja so viele andere Mittel, Geld zu machen . . . .“ (p. 147). Ja, es gab und gibt noch viele andere Wege für hochadlige und bürgerliche Herren, die sich turmhoch über einen Juden