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Jeschurun · 1916-07-01 · Heft 7 (Juli 1916) · p. Seite 383

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 7 (Juli 1916)
Date
1916-07-01
Page
Seite 383 (sequence 37)
Language
German
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W. Reymondt, ״Lodz, das gelobte Land״. 383 rufen, die den Menschen zum Zugtier seines Strebergeistes macht, die alles Menschentum mechanisiert, amerikanisiert, die den Bauern yon seiner Pflugschar, den einfachen Handwerker von seiner Werkstätte in die Maschinenhallen unter die Tausenden ruft und zum Proletarier herabdrückt. Wahrlich, ein Notschrei unsrer Zeit, der in jedem edleren Herzen Widerhall finden muß! Eine große Resignation überkommt uns bei dieser Erkenntnis der modernen Zeit. Vielleicht drücken des Verfassers wahrste Meinung über dieses Lebens letzten Schluß die Worte Ninas, der edelsten Frauengestalt des Romans, am besten aus: ״Schrecklich ist das Leben! flüsterte Anka (die Braut Borowieckis). ״Nein“, erwidert ihr Nina, ,,schrecklich sind nur unsere Anforderungen an das Leben, schrecklich unsre Träume von der Schönheit, schrecklich unser Verlangen nach dem Guten und nach der Gerechtigkeit, weil es sich doch nie erfüllt und weil es uns nicht gestattet, das Leben so zu nehmen, wie es ist. Hier liegt die Quelle aller unsrer Schmerzen“ (p. 516). Mit echt dichterischer Wehmut ist hier über die Ur- Sehnsucht und Unzulänglichkeit alles Menschlichen abschließend geurteilt. Wie fern es dem Dichter gelegen hat, über das Judentum als Volk, als Rasse in vernichtender Weise abzuurteilen, erkennen wir an der rücksichtslosen Art, mit der die Vertreter des Deutschtums dieses Standes behandelt werden: Teils nicht viel günstiger, teils schlimmer als die Juden. Auch dort eine Welt von Strebern und zweifelhaften Ehrenmännern, von Wüstlingen und Scheusälen (wie Keßler, der in seinen Fabriken ein wahres Haremsregiment führt, vgl. die seheußliehe Szene p. 492 f.), von dummen Arbeitsteufeln oder gutmütig-sentimentalen Narren, aber kein einziger aufrechter, vollwertiger Charakter und fast alle skrupellos. Will nun Reymont damit etwa das ganze deutsche Volk als dumm, sentimental, gewissenlos, keiner großen Regung fähig erklären? Diesen bornierten nationalen Standpunkt trauen wir dem feinsinnigen Dichter nicht zu. Auch Max Kretzer trifft in seinen sozialen Romanen (Meister Timpe. Die Ver-

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