Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 382 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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382 %W. Beymondt, ״Lodz, das gelobte Land“. zu retten. Also: Der Goldkultus, der Schund, Raübsystem und Ausbeutertum triumphieren, wenigstens in dieser Zeit. Die Grundidee des Romans: der Moloch Lodz verzehrt Eure Seelen. Ihr Polen, die Fremden zehren an Eurem Mark, mit ihren Maschinen, ihrem Arbeitsbazillus vergiften sie Euer Edelstes, Euren Idealismus; Leben, Liebe, Wahrheit, Schönheit, alles trampeln sie unter ihre Füße; rettet, Polen, Euer Kostbarstes, polonisiert Lodz, polonisiert die Industrie. Aber werdet nicht ihre Sklaven, Sklaven der Maschinen, der Millionen, werdet nicht Ausbeuter des freien Arbeiters, wie jene verhaßten Fremdlinge. Bisher haben wir den Polen und den Roman für sich sprechen lassen. Wir müssen jedoch als Juden zur Behändlungsweise der Juden in diesem Buche Stellung nehmen. Der Leser hat schon bemerkt, daß Reymondt an den Juden und ihrem Geschäftsgebahren die schonungsloseste Kritik übt, daßer den Ostjuden fast als typisch unehrlich und goldgierig im Konkurrenzkampf, bei der Brautwahl, im Freundschafts- und Liebesieben darstellt. Alles wird bei ihnen vom Gesichtswinkel des Verdienens aus betrachtet, der Dämon Geld beherrscht ihr Denk- und Gefühlsvermögen, sie sind Geldmaschinen, Elende, traurige Opfer ihres Erwerbs, durch den alle edleren Instinkte, bis auf wenige Reste der Eltern- und Verwandtschaftsliebe verkümmert sind. Doch merken wir wohl: Es sind Typen, Vertreter einer bestimmten Menschenklasse, nicht eines ganzen, hier des jüdischen Volkes als Ganzes, die vorgeführt werden. Das nimmersatte Streben nach Gold verdirbt den Charakter der Lodzer Kaufmannsklasse, dies ist die Behauptung des Schriftstellers, weiter nichts. Wir müssen gestehen, wir hatten beim ersten Lesen des Buches weniger die Empfindung, es mit einem prinzipiellen Judenhasser, als mit einem Polenfanatiker zu tun zu haben. Nicht Haß und nicht Tendenz, so meinten wir, führten dem Schriftsteller die Feder, sondern Empörung, Ingrimm, Mitgefühl und Angst für sein gefährdetes Volkstum bestimmten sein Urteil. Fluch dieser Gottheit der Goldsucht, so hören wir die leidenschaftliche Dichterstimme