Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 381 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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W. Reymondt, ״Lodz, das gelobte Land“. 381 mit denen sie der völligen Mechanisierung der Seelen und dem gewissenlosen Ausbeutertum der ]Fremden entgegenarbeiten möchte. Ja, sie glauben sogar z. T. an eine Wiedergeburt der Adelskaste durch die Industrie. Der PoleKarlvonBorowiecki, der Held des Romans, gründet eine Pabrik und will damit einen neuen Zug in die Fabrikation bringen, er möchte die Lodzer Produktion heben, veredeln, möchte den Millionären Buchholz, Knoll, Keßler, Meyer, Müller (Deutsche), Mendelsohn, Großglück, Zucker und Konsorten zeigen: Ihr seid die Schacherer, wir sind die adlige Nation, die alles, was sie betreiben, auch die Industrie, mit Solidität und edler Menschlichkeit vereinen. Lasset Lodz erst polonisiert sein, lasset erst die Landgutbesitzer sich auf sich selbst besinnen, dann wird dieser fremde Geist des Schmarotzertums und Wucherertums aus der geschäffcliehen Produktion verschwinden, und Lodz soll das wahre ״gelobte Land“ des polnischen Adels werden. Dieser großherzige Plan würde gelingen — wenn nicht die zweite und dritte Gruppe der Fabrikanten am Werk wären, um dies adlige Vorhaben zu vereiteln. Was! Diese närrischen Polen wollen sogar das Geschäft adlig machen, wollen die Rasse verfeinern, wie man Pferde veredelt! Das soll nicht gelingen! Ein Komplott, ein Kesseltreiben beginnt gegen die neugegründete Fabrik. Moritz Welt, ein Teilhaber dieser zu gründenden Fabrik, verbündet sich selbst insgeheim mit dem Millionär Großglück, um dieses Attentat gegen den Lodzer Kaufmannsstand zu hindern: Die deutschen Fabrikanten werden aufgehetzt, Borowiecki keine Maschinen auf Kredit zu liefern, jüdische und deutsche führende Kaufleute säen Mißtrauen gegen das junge Unternehmen, auf ihr Betreiben wird Borowiecki der Kredit gesperrt, und der ganze Reformplan des edlen Polen kommt zum Scheitern, der Fabrikbau gerät ins Stocken, und eines Tages brennt sie, wohl infolge Brandstiftung eines der Teilhaber, nieder, und Borowiecki sieht sich schließlieh gezwungen, die Tochter des ihm sonst so verächtlichen Millionärs Müller zu heiraten, um sich vor dem sicheren Bankrott