Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 379 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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W. Reymondt, ״Lodz, das gelobt© Land“. 379 XXVII, 18), sollten in diesem Buche die industriellen Nöte dieses von jeher so vielgeprüften Landes dargestellt werden. In Lodz, dem Hauptindustriezentrum, dem gefährlichsten Tummelplätze ungezügelten Industrierittertums, wo zwei Kulturzustande in schärfster Gegensätzlichkeit sich begegnen, wo primitivste, formloseste Barbarei russisch-polnischer Ländlichkeit mit höchster Verfeinerung westeuropäischer Zivilisation aufein anderst oßen, auf einem solchen Boden ergeben sich Konflikte und sammelt sich Explosivstoff von selbst. Aber nicht so sehr um die Behandlung seelischer Konflikte ist es dem Dichter dieses sozialen Romans zu tun, keine Phantasiekonstruktion mit steigender Handlung und Höhepunkten soll vorgeführt werden, sondern ein Zustand, eine Gesellschaftsklasse, und zwar die Gesellschaft der Fabrikanten von Lodz, und unter ihnen vorzüglich die Klasse der Millionäre, der gewordenen und der noch werdenden, wird hier lebendig gemacht. Als gelehriger Schüler Balzacs Zolasa) und russischer Naturalisten wie Dostojewski ist Reymondt Zustandschilderer und sozialer Kritiker zugleich, die geheimsten Triebkräfte, aber auch die wiihlendsten Leidenschaften dieser Großindustriellen werden hier mit unheimlicher Realistik analysiert. Diese ganze Trustgesellschaft des modernen Glücksrittertums, wo raffinierteste Technik sich mit skrupellosestem Unternehmertum vereinigt, eine Menschheitsklasse, deren einziges Idol der Gott Erfolg, aber nur der Millionenerfolg heißt, hier wird sie von einem erbarmungslosen Richter auf die Anklagebank gesetzt. Das Wort G. Freytags, der Roman suche das Volk bei der Arbeit, gewinnt in diesem Buch einen unheimlichen Sinn. Diese ״Arbeit״ saugt das Mark von Tausenden von Menschen. Ein furchtbarer Sumpfboden tut sich vor uns auf, ״eine Welt 1j Schon der Titel erinnert an Zolas ״Paris, Lourdes“ n. a.; auch die Schilderung des Milieus, aller Berufsstände und Gesellschaftsschichten in einem bestimmten Kreise sind nach Zolaschein Muster; der alte Vater Baum, der sich bis zuletzt gegen die Einführung von Maschinen in seinen Webereien sträubt, erinnert an die Hauptfigur des Zolaschen ״Au Bonheur des Dames“ u. a. m. 25