Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 373 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses Maimonides. 373 Juda Halievis, des Zeitgenossen Bachias, nachdem er von dem ״Meister44 die Erzählung vom Auszug aus Ägypten gehört hat, enthusiastisch aus: ..Das ist in Wirklichkeit ein göttliches Ereignis, und alle mit ihm verknüpften Gebote müssen ausgeführt werden, denn hier kann keine Bede von Zauberkünsten, Betrug oder Einbildung sein. Angenommen, daß das vor ihren Augen liegende Rote Meer, seine Spaltung und ihr Durchzug durch dasselbe nur Einbildung war, wie könnte ihre Befreiung aus der Sklaverei, der Tod ihrer Unterdrücker und die Tatsache, daß sie sich deren Gewänder aneigneten und von ihrem Hab und Gut Besitz ergriffen — wie könnte alles dieses bloße Einbildung genannt werden. Das wäre die Ansicht eines verbohrten Skeptikers44. Moderne Geschichtsauffassung fehlte ganzlieh. Literarischer Kritizismus war völlig unbekannt. Aber mehr als durch das Fehlen negativer Merkmale wurde der Glaube an die Thora durch positive Einflüsse gekräftigt. Die Überzeugung von dem göttlichen Ursprung der Thora wurde nicht kaltherzig schwindsüchtigen Katechismus-Paragraphen entnommen, sondern grub sich in die Seele des Juden ein als das Ergebnis eines ununterbrochenen Studiums und einer unablässigen Übung der Thora. ״Dies Buch der Thora wich in Wahrheit niemals aus seinem Munde, sondern sinnend saß er über ihm Tag und Nacht, auf daß er beobachten könne und tun alles, was in ihm geschrieben.4־ Unter solchen Umständen gelang es auch nicht dem ״Haupt der Philosophen46, die psychologischen Grundlagen des jüdischen Glaubens zu erschüttern. Da die Lehre Mosis ebenso absolut wahr wie die des Aristoteles ist. so muß nach der mathematischen Formel: .,Ist a=b und b c, so ist auch a=ctt das Resultat sein, daß sie identisch sind. Es ist klar, daß diese Identität ihrer Gedanken nur auf dem Wege der Umdeutung erreicht werden konnte. Aristoteles war zu wissenschaftlich und zu logisch, als daß er eine Umdeutung hätte vertragen können. So konnte nur die Bibel der leidende Teil sein. Aber warum drückt nicht Moses seine Wahrheiten ebenso klar aus wie Aristoteles? Die Antwort hierauf ist eine höchst geistreiche. Der Mensch schafft Gott nach