Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 371 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Moses Maimonides. 371 dem שכל הפועל beherrscht, der ״schöpferischen Vernunft״, d. h. der ״losgelösten Intelligenz44, die der Mondsphäre zugeteilt ist. Durch die ״schöpferische Vernunft“ wird die Bewegung in dieser Welt hervorgerufen und Möglichkeit geht in Wirklichkeit über. Alles in der sublunarischen Welt ist vergänglich, auch der Mensch. Er zerfällt in seine vier Elemente. Aber im Unterschied von allen anderen Wesen ist er mit einer Seele begabt, die ihm als eine bloße Anlage gegeben ist, die aber durch das Streben des Menschen zur Wirklichkeit erhoben werden und sich bis zur ״selbsterworbenen Vernunft“ entwickeln kann. Durch die ״selbsterworbene Vernunft“ ist der Mensch mit der ״schöpferischen Vernunft“ der Mondsphäre verknüpft, und durch die Vermittelung der letzteren mit dem göttlichen Wesen. So hängt es vom Menschen selbst und von seinem Streben, seinen Geist zu entwickeln, ab, ob und wie weit er mit Gott verknüpft ist, ob und wie weit er der göttlichen Vorsehung und Unsterblichkeit teilhaftig wird. Entwicklung des Geistes bedeutet, versteht sich, nichts anderes als Denken, das Denken des Höchsten, das Denken Gottes, mit anderen Worten Metaphysik. So wird Metaphysik der Endzweck des Menschen. Obwohl das Denken das höchste Ziel des Menschen ist, bedarf es nichtsdestoweniger zu seiner Verwirklichung mancher niederer Tätigkeiten. Es bedarf zuvörderst der Sittlichkeit, die in der ,.!j.sgotyis“ besteht, der goldenen Mitte, in dem Ausgleich zwischen zwei Extremen, und dann verlangt es die Befriedigung der Bedürfnisse des Körpers, was eine soziale Ordnung voraussetzt. Erst nachdem der Mensch diese Bedingungen erfüllt hat, ist er imstande, sich dem Denken, der Metaphysik zu weihen. So sind Sittlichkeit und soziale Ordnung als ein Unterbau der Philosophie gerechtfertigt. Soweit das Lehrgebäude des Aristoteles in seinen Hauptzügen. Daraus geht klar hervor, daß die Ideen des Aristoteles von den Lehren der Bibel mit ihren lebendigen Erzählungen und ihren positiven Geboten total verschieden sind. Eine Vereinigung scheint undenkbar. Maimonides jedoch brachte diesen scheinbar unmöglichen