Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 369 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Moses Maimonides. 3^9 Hauptgedanken von Aristoteles skizzieren, modifiziert durch die Neu-Platoniker, die Auslegungen der arabischen Philosophen und die ureigene und unabhängige Bearbeitung des Maimonides. Der grundlegende Gedanke des ganzen aristotelischen Systems ist der Begriff von Stoff und Form, oder in entsprechende moderne Ausdrücke übertragen, Körper und Seele. Der Körper ist nur Möglichkeit oder Anlage; die Seele ist "Wirklichkeit. Die beständig wechselnden Verbindungen von Körper und Geist bringen die Bewegung und dadurch den Lauf der Welt hervor. Jede Bewegung hat eine Ursache, diese Ursache eine andere Ursache und so fort, bis wir zuletzt zu der ״ersten Ursache“ kommen, der ״Ursache der Ursachen“, zu Gott. Gott ist reiner Geist, reine Wirklichkeit. Er ist die Ursache der Bewegung, doch, da er keine Ursache hat, ist er selbst unbewegt, ״der unbewegte Beweger“. Gott als reiner Geist kann nur eine Tätigkeit ausüben: denken. Da er der vollkommenste Geist ist, kann er nur das vollkommenste Objekt, sich selbst denken. So wird Gott das personifizierte Sichselbstdenken. Natürlich entsteht die Frage über das Verhältnis dieses abstrakten Gottes zu der Welt der Materie mit ihren zahllosen Erscheinungen. Aristoteles löst diese Frage einfach, indem er die Ewigkeit der Welt behauptet. Damit hört selbstverständlich Gott auf, der Schöpfer oder auch nur der Lenker der Welt zu sein und ist nicht mehr als ein unpersönliches abstraktes Prinzip, ״ein blasser Gedankenschemen״. Keine positive Religion mit ihren Glaubenslehren und Geboten kann von einem solchen Begriff ausgehen. Maimonides erklärt mit vollem Bewußtsein, daß die Annahme der Ewigkeit der Welt gleichbedeutend mit der Zerstörung jeder positiven Religion ist. Nichtsdestoweniger weist er es stolz zurück, seine Zuflucht zu irgend welchen glitzernden philosophischen Gemeinplätzen zu nehmen. Kühl und unbefangen prüft er genau die Gründe dieser aristotelischen Annahme. Er beweist, daß diese Hypothese von Aristoteles selbst nur als Hypothese gedacht war und zeigt ferner in einer Weise, die lebhaft an Kant erinnert, daß es in dieser Frage keinerlei Gewißheit