Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 368 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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368 Moses Maimonides. Dieser Versuch ist von Maimonides in seinem dritten großen Werke unternommen worden, im ״Moreh Nebuchim“, im ״Führer der Verirrten“, einem Buche, das einen Markstein nicht nur in der Geschichte der jüdischen Philosophie darstellt, sondern auch in der Universal-Geistesgeschichte des Mittelalters. Der Moreh ist in der Form von Briefen geschrieben, gerichtet an seinen Schüler Josef ibn Aknin. Maimonides geht sehr vorsichtig und überlegt vor. Er beschreibt sein langes Zögern, bevor er sich entschloß, das Buch zu verfassen. Er schrak nicht vor den Angriffen der Menge zurück, die, wie er glaubte, kommen würden, und die in "Wirklichkeit auch kamen. Aber was er in Wahrheit befürchtete, war, daß das Volk durch dieses Buch in seinem Glauben gefährdet werden könnte. Er ergreift daher jede nur mögliche Vorsichtsmaßregel, um die Masse von seinem Buche fernzuhalten. Er beschwört seinen Schüler, die Abschrift keinem Menschen zu leihen. Er stellt eine lange Reihe von Bedingungen auf, die der erfüllen muß, der es lesen will. Er macht die größten Anstrengungen, unverständlich zu sein, in Andeutungen und Anspielungen zu reden, obwohl der logische Geist des Maimonides stärker als seine Vornahme war, und die Klarheit dieses Werkes nur von seiner Tiefe erreicht wird. Der Moreh enthält, wie oben erwähnt, den Versuch einer Vereinigung der Philosophie des Aristoteles mit den Lehren des Judentums. Aristoteles war für Maimonides die Verkörperung menschlichen Denkens. Er stellt ihn hin als ״die höchste Spitze der Intelligenz der gesamten Menschheit״. Er spricht oft von ihm als ״dem Erhabensten derer, die jemals philosophierten,״ und nennt ihn ״das Haupt der Philosophen״. Er folgt ihm mit dem äußersten Vertrauen, ohne irgend welchen Vorbehalt. Aristoteles ist der Philosoph Icoyfp“ des ganzen Zeitalters. Aber mehr als für irgend einen sonst war er es für Maimonides, der seiner ganzen geistigen Anlage nach mit Recht der jüdische Doppelganger des griechischen Philosophen genannt werden kann. Um die Größe und Wichtigkeit des Problems verständlieh zu machen, will ich in kurzen, flüchtigen Strichen die