Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1916)
- Date
- 1916-07-01
- Page
- Seite 367 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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a Moses Maimonides. 367 Moses Maimonides. Von Prof. Israel Eriedländer, Xew-York, (Schluß.) Mit der Yollenduug seines Gesetzes-Kodex hatte Maimonides seine Pflicht gegen die Masse erfüllt. Jetzt war für sie vollständig gesorgt. Sie hatten jetzt einen Wegweiser für die religiöse Praxis und eine Anleitung für ihr religiöses Denken. Ausgerüstet mit der Bibel und der Mischne Thora konnte das jüdische Volk vertrauensvoll seinen Wanderstab weitersetzen und jeder drohenden Verfolgung ins Auge blicken. Nun blieb nur noch die weniger wichtige Pflicht, die aber den höchsten Schwung und das tiefste Zartgefühl erheischte, die Pflicht gegen die ״Auserwählten“. Es waren in der Tat יתירים, vereinzelt nur ״einer in einer Stadt und zwei in einem Stamm“, aber der aristokratische Maimonides versichert, daß ihm einer dieser ״Auserwählten“ mehr am Herzen liege als zehntausend Toren. Die ״Auserwählten“ weihten ihr Leben der Wissenschaft. Sie waren mit der jüdischen Literatur ziemlich vertraut und besaßen zu gleicher Zeit eine gründliche Kenntnis der Wissenschaft und Philosophie ihrer Zeit. Diese verschiedenen Elemente lagen in beständigem Kampfe miteinander. Ein breiter Riß zog sich durch die Seelen dieser Männer. Sie fühlten sich unbefriedigt. Sie litten geistige Torturen; sie schwankten beständig zwischen zwei Polen hin und her, zwischen dem aristotelischen Gottesbegriffe als der sich selbst denkenden Vernunft und den anthropomorphistischen Erzählungen und positiven Geboten der Bibel und des Talmud. Mancherlei Versuche waren unternommen worden, um diese beiden Gedankenkreise miteinander zu vereinen; aber sie waren unzulänglich. Entweder Aristoteles oder das Judentum kamen dabei zu kurz. Diese Aufgabe, soweit sie überhaupt lösbar war, konnte nur von einem Manne vollbracht werden, der in gleich beispiel־ losem Maße die griechische Philosophie und den Gedankeninhalt des Judentums beherrschte, und dem dabei eine unvergleichliche Kraft der Synthese zur Verfügung stand.