Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 340 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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340 Eine Zuschrift. ihrem ganzen Wesen, Denken und Handeln die Grundlage für unser Seelenleben abgeben. Solche Persönlichkeiten, die Geist von ihrem Geiste, Kraft von ihrer Kraft uns verliehen haben, deren ganze Wirksamkeit eine ständige Quelle des Muts und der Energie für die jüdischen Massen bedeutete, solche Persönlichkeiten haben wir in den alten Rabbinern gehabt. Die alte Jeschiwoh hat sie uns gegeben; die moderne wird sie uns nicht geben, sie kann es nicht. Das sollen unsere deutschen Brüder beachten, wenn sic sich mit unseren Fragen befassen wollen: Helft uns, bringt uns all das Gute, was ihr besitzt. Aber nehmt uns, um Gottes willen, nicht das, was wir besitzen, was noch uns erhalten geblieben ist. Seid vorsichtig! Eine Zuschrift.1) Uber das Ostjudenproblem ist sicher schon zu viel geschrieben — lange nicht genug. Zeit und Papier sind heut kostbar, an die Arbeit heißt die Losung, aber vor der Arbeit — ein Programm. Daß das Thorajudentum auf Gedeih und Verderben an das Schicksal der ostjüdischen Massen gebunden,, daß das jüdische Problem nicht in letzter Reihe Erziehungsproblem, das bedarf erst keiner Diskussion. Ob eine einschneidende Umgestaltung der wirtschaftlichen Lage in kürzerer Zeit eintreten kann? — Möglich. Aber wir können darauf nicht warten, die Gegenwart fordert unsere Arbeit, unsere ganze Kraft. Mit mutigem Griff hat der Her. d. Zeitschrift das Problem gefaßt und klar und scharf, mit äußerster Konsequenz, die Richtlinien gezeichnet. Cheder, Jeschiwah nach geeigneter Reform, Talmudstudium im Mittelpunkt. Man kann sachlich anderer Meinung sein, es ist ein Programm, klar und einheitlich. נ) Wir geben dieser Zuschrift gern Raum, obwohl wir mit dem verehrten Herrn Einsender nicht völlig übereinstimmen. Der Herausgeber.