Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 334 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Eine rabbinische Residenz und ihr letzter Fürst. getan und auch die Arbeit anderer nicht gefördert hat, um das gesetzestreue Judentum in die neuen Lebensverhältnisse hinüberzugeleiten und die junge Generation auch für einen modernen Lebenskampf zu wappnen. Furcht vor dem Chaos! Das ist das Schicksal aller besten Männer im Ostjudentum! Wer aber diese Furcht gering schätzt, zeigt, daß er die Verhältnisse in Rußland nicht kennt, oder daß sein Verantwortungsgefühl nicht genügend entwickelt ist. Noch ein Wort über die Bedeutung dieses Gaon als Redner. Er war vielleicht der größte Redner unter den alten Rabbinern Rußlands. Das Predigen war ihm freilich weniger inneres Bedürfnis als ein Unterordnen unter die rabbinische Pflicht. Das Auf drängen der eigenen Ansicht lag ihm fern. Er wollte über־־ zeugen und aufklären. Leider hat er seine Predigten nicht schriftlich niedergelegt. Dem Manne des feinen Empfindens war es zuwider, sein seelisches Erlebnis für die Öffentlichkeit dauernd zu fixieren. Aus zwei Predigten, die einen besonders starken Eindruck gemacht, sei einiges mitgeteilt: In seinem Hesped auf Baron Rothschild aus Frankfurt a. M. sprach er von den Kämpfen des Hohenpriesters mit seiner Umgebung und den Sadducäern. Er zitierte die Mischna. nach der die jungen Priester den Hohenpriester in der Nacht vor dem Versöhnungstage, wenn er einzuschlafen drohte, wach hielten, und den Talmud z. St., nach dem auch die Vornehmen Jerusalems aus diesem Grunde die ganze Nacht nicht schliefen (Joma 19b). S. R. Hirsch, meinte er, habe eine junge Generation herangezogen und die rechte Unterstützung durch die Mitglieder seiner Gemeinde gefunden. Die Rabbiner in Rußland seien entkräftet, sie können nicht mehr durch ihre Persönlichkeit allein helfen. Die Mitglieder der Gemeinde müßten jetzt der Thora und dem Glauben zu ihrem Rechte verhelfen. Baron Rothschild war durch seine Personlichkeit und durch seine Anteilnahme an dem Gedeihen der ״Religionsgesellschaft ״ ein leuchtendes Vorbild für die Gemeinde-