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Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 333

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 333 (sequence 51)
Language
German
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Ein© rabbinische Residenz und ihr letzter Fürst. 333 denen der Raw beschuldigt wurde, sich zu wenig um des Volkes Leiden gekümmert zu haben. Rabbi Hirsch nahm zu dieser Anschuldigung Stellung in seiner Hesped-Rede zu dem Tode des berühmten Rabbiners Reb Mendele aus Tauroggen ז״ל. An den Vers ״In einem Nußbaumgarten bin ich hinabgestiegen“ mit der Bemerkung des Midrasch ״Die Juden gleichen einer Nuß“2) anknüpfend, sagte er: ״Wohl erträgt die Nuß leichter als alle anderen Früchte den Schmutz; richtig gewürdigt wird sie erst dann, wenn ihre Schale zerbricht — wenn ihr innerster Kern sichtbar ist. Vorher sieht man bloß ihre harte Schale. Die Rabbiner könnten leicht den Beifall des Volkes erlangen, wollten sie nur einen kleinen Teil ihrer Arbeit vor die Offentlichkeit bringen, ״aber,“ rief er aus, ״solange die Nuß am Baume hängt, will sie eben ihren Kern nicht zeigen!“ Diese Worte, entsprachen so ganz seiner Auffassung von humaner Betätigung Er hielt nur die Arbeit für lebensfähig, die im stillenvor sich geht. Die stille Arbeit — wie soll sie in einer Zeit von Sturm und Kampf erreicht werden? Rabbi Hirsch bat um Frieden. Und wirklich, bald streckten alle die Waffen vor dem Manne, der niemals Waffen getragen . . . Äußerlich hatte Reb Hirsch wohl den Frieden erreicht; aber er blieb einsam und verlassen. Nachdem er die beiden, als treibende Kräfte geltenden extremen Parteien, die Moralisten auf der einen Seite und die nationale Intelligenz auf der andern, sich entfremdet hatte, war er ohne jede Stütze, nur auf sich angewiesen. Ihn selbst aber schreckte vor jedem aktiven Handeln die Furcht vor der Wüste, vor dem Chaos, vor den unberechenbaren Gefahren. Diese seine, für eine Übergangsperiode sehr begreifliche Furcht war aber zugleich ein Hemmnis für die Entfaltung seiner Tätigkeit, denn — will man einen Hafen erreichen, so muß man das Meer durchqueren — und daraus erklärt sich die Tragik im Leben dieses großen Mannes, daß er, ein berühmter Gaon mit weltlichem Sinn und scharfem Geiste, nichts ־) Siehe Midrasch Schir Haschirim Kap VIII. 22*

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