Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 325 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine rabbinische Residenz und ibr letzter Fürst. 325 Orthodoxie und der Aufgeklärten zu erreichen. So ist Kowno, was sonst in Rußland sehr selten der Fall ist, zu einer Gemeinde geworden, in der jede Strömung in der Gemeinde- Verwaltung zur Geltung kommt. Den berühmten Leibarzt des Kownoer Gouverneurs, Dr. Feinberg, sowie den wegen seiner Intelligenz und seines Reichtums bei der Regierung beliebten Isser Ber Wolf verstand Rabbi Jizchok Elchonon für seine Zwecke zu gewinnen. Allmählich wurde aber Kowno ein Sammelpunkt für allgemeine politisch-gesellschaftliche Arbeit; das politisch» jüdische Zentrum jedoch war Petersburg mit dem alten Baron Günzburg an der Spitze. Der fromme Baron verband sich mit Reb Jizchok Elchonon und unternahm keinen Schritt ohne ihn. Als der Baron, angeregt durch die Aufgeklärten, die Gründung eines Rabbinerseminars plante, genügte ein Wort Rabbi Jizchoks, um diesen Plan im Keime zu ersticken. AJs wiederum die Aufgeklärten mit dem Baron an der Spitze das Jubiläum des bekannten Vereins מפיצי השכלה feierten (5649), beeilten sie sich, Rabbi Jizchok Elchonon zum Ehrenmitglied zu ernennen, um seiner Opposition vorzubeugen und ihn von der Loyalität des Vereins der Thora gegenüber zu überzeugen. So haben sich Petersburg und Kowno, Rabbi Jizchok Elchonon und der Baron einander ergänzt. Rabbi Jizchok, der Thorafürst, auf der einen Seite, repräsentierte die Macht des Volkes — Baron Ginzberg, auf der anderen Seite, war sein Vertreter vor der Regierung. Die gemeinsame Arbeit hat sich zu einer gegenseitigen intimenFreundschaft entwickelt, die auf ihre Familien traditionell übergegangen ist. Rabbi Jizchok Elchonon besuchte sehr oft den Baron zu seinen Familienfestlichkeiten. Der Baron, der meistens in Paris wohnte, pflegte den Rabbi von seiner Rückreise zu benachrichtigen, und dieser fuhr ihm bis Wirballen entgegen. Die Mitglieder meiner Gemeinde zu Pilwischki, das zwischen Kowno und Wirballen liegt, erzählen noch heute von den rührenden Szenen einer solchen Begegnung, die vor etwa dreißig Jahren zwischen diesen beiden großen Männern stattfand. Seine Popularität in der breiten jüdischen Masse