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Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 315

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 315 (sequence 33)
Language
German
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Proseiften einst und jetzt. 315 jüdischen Namens einerseits, wie die unerfreuliche Gestaltung unserer inneren religiösen Verhältnisse in unseren Tagen, an denen selbst der große, schwere Krieg leider bisher nur wenig geändert hat, andererseits, müßte es den Wächtern unseres Glaubens zur besonderen Pflicht machen, zu dem weisen Verhalten der Väter zurückzukehren und den Proselyten zwar nicht ״die Türe zu verschließen“, aber auch in ernste Erwägung zu ziehen die Frage, unter welchen sichernden Schranken und Umständen wir Andersgläubige, Erwachsene wie Unmündige, in das Judentum aufnehmen, eingedenk der weisen Warnung B,. Jizchoks: Schuld auf Schuld ladet auf sich, wer leichtsinnig Proselyten aufnimmt“1). Vor allem müßte sich die Erkenntnis überall Bahn brechen, daß das Judentum durch die leider schrecklich große Anzahl von Mischehen einen viel größeren und schwereren Verlust erleidet als durch den den Charaktervollen verpönten, leichtfertigen Glaubenswechsel. Freilich wäre es auch kaum zu verantworten, wenn die bereits in der Mischehe Lebenden gänzlich aufgegeben, und alle Annäherungsversuche zurückgewiesen werden sollten. Wo Glaubensgenossen, einer vorübergehenden Leidenschaft folgend, sich zu einer zivilehelichen Lebensgemeinschaft mit einer Andersgläubigen hinreißen lassen, dann aber, wenn eine Trennung, zumal nach der Geburt von Kindern, kaum möglich erscheint, ihrer wiedererwachten jüdischen Gewissensstimme sowie ihrem Pietätsgefühl gegen religiösere Angehörige gerecht zu werden, sich sehnen und im Verein mit ihrer nichtjüdischen Ehehälfte die jüdisch-religiöse Harmonie in ihrem Hause hersteilen wollen, dürfte ein Entgegenkommen gegenüber dem Wunsche der andersgläubigen Gattin, sie ins volle Judentum aufzunehmen, gewiß gerechtfertigt erscheinen. Ungleich seltener dürfte schon wegen der Schwierigkeit der Ausführung und der stärkeren Eigenart des Mannes dieser dem Bekenntnis seiner jüdischen Ehefrau in Aufrichtigkeit folgen. Leicht, aber darum gerade um so bedenklicher und zu größerer Vorsicht mahnend, scheint die Überführung un- ף Jebamoth 109 b S. Tossaphoth daselbst. 21

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