Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 314 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Proselyten einst und jetzt. Geschichte auf das geradezu klassische Vorbild aller Proselyten, welches das jüngst gefeierte Offenbarungsfest verherrlicht, auf die verklärte Gestalt Puths neben Jithro, dem Stammvater, der in ihrer rührenden, unerschütterlichen Treue dem Jeremias vorbildlich erscheinenden Peehabiten, das tanaitische Zeitalter auf die gekrönten Proselyten Helena und Monobazes, auf die gefeierten Lehrer Hillels, Schmaja und Abtaljon, auf den hochstehenden Bibelübersetzer Akylas (Onkelos) und andere Weisen, die heidnischen Ursprungs waren. Gerade in dieser Zeit der sich immer deutlicher offenbarenden, inneren Ohnmacht und Leere des alten Heidentums war es sichtlich die namentlich in den idealen Weisen des Talmuds sich verkörpernde, sittliche Macht des Judentums, welche bessere Heiden trotz des Spottes altrömischer Dichter und Philosophen wie Horaz und Seneka und trotz des erwachenden, christlichen Werbeeifers zu dem Anschluß an das Judentum und seiner Verehrung hinriß. — Und welch erhebendes Selbstgefühl gewährte selbst den besten Geistern und Meistern des jüdischen Mittelalters, wie Chisdai ibn Schaprut und dem Dichterfürsten Jehuda Hallevi, das Bewußtsein von der spontanen nur aus dem mächtigen Streben nach höherer, sittlicher Vollkommenheit hervorgegangener Bekehrung des Chazarenkönigs Bulan, seiner Volksgenossen und ihrer Nachkommen. Daß wir aber im späteren Mittelalter, der Zeit, da Druck und Leiden der Juden, ihre Zurücksetzung, Entrechtung und Verachtung den Höhepunkt erreichten, von Übertritten zum Judentum nur selten erfahren, kann wahrlich nicht wunder nehmen. Ebenso ist es nur natürlich, daß auch in der neueren, für religiöse Errungenschaften überhaupt so ungünstigen Zeit die Beispiele von treubewährten und gewissenhaften Proselyten nur vereinzelt und spärlich sind. Nur allzu zahlreich aber sind in der Gegenwart diejenigen Proselyten, die nicht den geringsten Gewinn für das Judentum bedeuten, ja, zu seiner Verflachung und Veräußerlichung nicht wenig beitragen, weil sie sich darauf beschränken, aus gewissen äußeren Pücksichten nur den jüdischen Namen zu tragen, den sie nur allzu leicht gewonnen haben. Dieser Mißbrauch des