Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 304 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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304 Stellung des heutigen Judentums zu der aus Talmud usw. Nachdem er (ein Israelit) sich (einem Heiden) als Sklave verkauft hat, (soll man ihn nicht aus der Sklaverei befreien, sondern) es soll ihm Auslösung werden. Sollte man etwa dabei den Heiden äbervorteilen? Nein, es heißt weiter: ״Man rechne mit dem Käufer“, d. h. man rechne mit Genauigkeit! Oder handelt es sich hier um einen Heiden, der nicht unter deiner Gewalt steht (mit dem man also notgedrungen redlich rechnen muß)? Nein! denn es heißt (v. 54): ״er gehe (wenn er keinen Löser findet) hinaus im Jubeljahre“. Wie kann man dies bei einem Heiden, der nicht unter deiner Gewalt steht, anordnen? Es handelt sich hier also um einen Heiden, der unter deiner Gewalt steht. Wenn nun sa die Thora gebietet bezüglich des Heiden, der unter deiner Gewalt steht, um wieviel mehr gilt dies von dem Heiden, der nicht unter deiner Gewalt sich befindet (Sifra Behar 9, 2—3). 10. Beim falschen Maß und Gewicht heißt es (Deut. 25, 16): ״Ein Greuel ist dem Herrn, deinem Gotte, jeder, der dieses tut“. Man könnte meinen, nur wer dieses tut (ist ein Greuel), woher wissen wir, daß auch jede andere Unrechttat (zu verabscheuen ist)? Dies lehrt uns der folgende Satz: ״jeder, der Unrecht tut“. Nachdem aber alle Unrechttaten verabscheut werden, wozu sagt die Schrift: jeder, der dieses tut? Vor diesem (falschen Maß und Gewicht) wird noch besonders gewarnt, weil man damit die Gedanken der Menschen bestiehlt (Mechilta zu Deut. 25, 16, im Midrasch Tannaim S. 169). Daß dieses Verbot vom falschen Maß und Gewicht und somit jede Unrechttat gegenüber allen Menschen vom Talmud verabscheut wird, wird von allen Dezisoren (einschließlich des Schulchan-aruch) einstimmig gelehrt (Ch. ha—Mischp. 231, 1), vgh m. Schrift Schulchan-Aruch 101 f. 1). a) Wir begnügen uns hier mit 10 Stellen aus der alten talmudischen Literatur. Zahllose Stellen aus der hebräischen Literatur des Mittelalters und der neueren Zeit findet man in meiner Schrift ״der Schulchan-ar. usw.