Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1916)
- Date
- 1916-06-01
- Page
- Seite 301 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Stellung des heutigen Judentums zu der aus Talmud usw. 301 nur aufgeworfen werden, wie wir uns bei diesem eben dargelegten Standpunkt mit dem Talmud und Schulchan - Arucb, die eine minderwertige ethische Anschauung zu vertreten scheinen, auseinandersetzen. Prof. Dalman schreibt allerdings bei Strack. ״Die Juden dürfen sie ״״Verbrecher von Religions wegen44״ genannt werden״, Berlin 1893, S. 23: (Diese Frage) ״ist zwar für den Theologen interessant, für das Interesse des Staates und der Gesellschaft aber gleichgiltig . . . Wir können doch in der Tat nicht dekretieren, wie die Juden ihre Rechtsbücher verstehen sollten, und haben uns hier daran zu halten, wie sie tatsächlich verstanden werden״ (so Dalman). Allein ich möchte dennoch hier diese Frage nach meiner wissenschaftlichen Überzeugung mit einiger Ausführlichkeit beant- Worten. Vielleicht werden auch die Antisemiten dadurch von der Wahrheit und Aufrichtigkeit unseres Standpunktes überzeugt werden. Vielleicht! Der Standpunkt der uneingeschränkten Menschenliebe und der Pflicht der Wahrhaftigkeit und Redlichkeit allen Menschen gegenüber ist in den talmudischen Schriften in unbestrittenen Kardinalsätzen so oft zum Ausdruck gebracht, daß kein rechtgläubiger Jude sich durch etwaige Ausflüchte darüber hinwegsetzen darf. Es seien hier einige solche Sprüche in der Über- Setzung angeführt: 1. Hillel, der Fürst, sprach zu einem Heiden, der in kürzester Zeit die jüdische Religion kennen lernen dieselben ausznsprechen sich nicht scheuen, zu verteidigen. Ich würde der Ehre dieser Männer zu nahe treten, wenn ich hier eine Widerlegung vornehmen wollte. — Aber auf eines möchte ich jene vom Hasse Verblendeten hinweisen. Es ist in Deutschland auch ein kleiner Schulchanaruch in zwei Teilen in hebräischer Sprache erschienen. Der Titel ist Darke Noam (Schulchan-aruch katan) 1869—1898. Der Verfasser ist der bereits verstorbene Manuel Gottlieb, Stiftsrabbiner und Religionslehrer in Hannover. Dies ist ein in hebräischer Sprache geschriebenes, also ״ein Geheimbuch״ (nach antisem. Ansicht). Mögen nun die antisemitischen Gelehrten dieses Werk durchlesen, vielleicht finden sie da die ״jüdischen Geheimnisse44. Dies ist ein Werk aus neuester Zeit und in Deutschland verfaßt. 20*