Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1916-06-01 · Heft 6 (Juni 1916) · p. Seite 299

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
3 (1916)
Issue
Heft 6 (Juni 1916)
Date
1916-06-01
Page
Seite 299 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292955-2292962--01432-2294687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Stellung des heutigen Judentums zu der aus Talmud usw, 299 und daß es diesen heiligen Grundsätzen entgegengesetzt wäre, unsere christlichen Mitbürger nicht als unsere Brüder zu betrachten; daß, indem die mosaische Religion den Israeliten gebietet, die Fremden, die sich in ihren Städten niederlassen, mit solcher Liebe und solchem Wohlwollen zu empfangen, dieselbe Religion mit um so größerem Nachdrucke befiehlt, dieselben Gefühle gegen diejenigen Nationen zu hegen, welche sie gastfreundlich aufgenommen, durch ihre Waffen verteidigen, ihnen erlauben, Gott nach ihrer Religion zu dienen, und sie an allen bürgerlichen und politischen Rechten teilnehmen lassen“. Im Jahre 1889 hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ״Grundsätze der jüdischen Sittenlehre“ abfassen lassen, welche 177 Rabbiner, Vertreter aller Richtungen im Juden turne, darunter auch mein seliger Lehrer und Vorgänger im Rektorat des Berliner Rabbinerseminars, Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer1), durch ihre Unterschrift gebilligt und bestätigt haben, da diese Sätze in der jüdischen Religionslehre begründet seien. Der zweite Grundsatz lautet: ״Das Judentum gebietet: ״Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ und erklärt dieses alle Menschen umfassende Gebot der Liebe als Hauptgrundsatz der jüdischen Religion. Es verbietet daher: Gegenüber jedermann, gleichviel welcher Abstammung er sei, welcher Nation er angehöre und zu welcher Religion er sich bekenne, jede Art von Gehässigkeit, Neid, Mißgunst und liebloses Verhalten; es fordert Recht und Redlichkeit in Handel und Wandel; jede Übervorteilung, jede Benutzung (Ausbeutung) der Not, des Leichtsinns oder der Unerfahrenheit eines andern, sowie jeden Wucher und jede wucherische Ausnutzung der Kräfte anderer“. 1j Es ist selbstverständlich, daß auch ich zu jener Zeit, als Dozent des Rabbinerseminars, diese Grundsätze unterschrieben habe. 20

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.